Familie

Verstopfung bei Kindern – bewährte Hilfen

Verstopfung bei Kindern

Die Stimmung von Kindern kann schnell von fröhlich und ausgelassen zu weinerlich-kränkelnd kippen, ohne dass eine ernste Ursache erkennbar ist. Keineswegs selten stellt sich dann heraus, dass eine kurzzeitige und in aller Regel ungefährliche Verstopfung den Nachwuchs quält.

Natürlich machen sich Mutter oder Vater rasch Gedanken, womit diese Beschwerden zusammenhängen und was sie dagegen tun können. Um die Eltern dabei zu unterstützen, haben wir die wesentlichen Punkte zu Kindern mit Verstopfung und erprobte Wege zur raschen Besserung nachfolgend übersichtlich zusammengestellt.

Kinder mit Verstopfung — nützliche Grundinformationen

Grenze zwischen normalem Stuhlgang und Verstopfung

Von einer Verstopfung oder Obstipation sprechen Kinderärzte im Regelfall erst dann, wenn der Stuhlgang weniger als dreimal wöchentlich erfolgt. Ist der Toilettengang trotz harten Stuhls dagegen weiterhin beschwerdefrei möglich, ist das noch nicht als Verstopfung anzusehen1,2.

Kinderärzte betrachten eine Verstopfung als funktionelle Darmstörung, die den Stuhlgang behindert. Eine Krankheit an sich sehen sie darin jedoch nicht.

Typische Symptome

Die für Kinder charakteristischen Symptome einer Verstopfung zeigen sich oft folgendermaßen:

  • Meist wiederkehrende, kurzzeitige Bauchschmerzen
  • Geschwollener Bauch
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Gelegentlich leicht blutiger Stuhl
  • Stuhl bröckelig und hart
  • Stuhlgang weniger als dreimal wöchentlich
  • Verringerte Bereitschaft zum Toilettenbesuch
  • Teils auffälliges Verhalten (gestresst, unruhig, ängstlich)

Häufige Ursachen

Für eine meist vorübergehende Verstopfung bei Kindern können vielfältige Ursachen infrage kommen. Die häufigsten Auslöser haben wir nachfolgend zusammengefasst.

Ganz vorne rangiert dabei die Ernährung. Je nach den familiären Essgewohnheiten kann der tägliche Speisezettel durch häufige Fertiggerichte zu einseitig und ballaststoffarm ausgerichtet sein. Wenig Frischkost, viel Weiß- oder Toastbrot und reichlich Süßigkeiten wie Schokolade sowie Backwaren sorgen ebenfalls für einen zunehmend trägen Darm.

Alternativ kann auch eine zu geringe Trinkmenge eine Verstopfung verursachen. Bekannte Situationen dafür sind längere Auto- und Flugreisen oder eine kurze Bettlägerigkeit mit Schwitzattacken und entsprechendem Flüssigkeitsverlust.

Nicht zu vergessen sind einzelne Medikamente, die ab und an eine Verstopfung der Kleinen mit sich bringen. Das kann bei Erkältungspräparaten aus der Hausapotheke genauso der Fall sein wie für ärztlich verordnete Arzneimittel, beispielsweise Antibiotika.

Bei Vater oder Mutter seltener auf dem Radarschirm, aber in Verbindung mit deutlich erschwerter Stuhlentleerung bei Kindern ebenfalls ein Auslöser ist Bewegungsmangel. Damit der Darm störungsfrei arbeitet, braucht er von Kindheit an ein Mindestmaß an körperlicher Bewegung. Ideal sind hier regelmäßige Aufenthalte im Freien.

Zeigt sich das Verstopfungsproblem bei Kleinkindern in Verbindung mit dem Sauberwerden, ist das kein Grund zur Sorge. In dieser Phase kommt es häufig zu solchen vorübergehenden Störungen. Das Kind reagiert damit auf den teils enormen Stress, den es durch diese Umstellung empfindet.

Aber auch sonst ist der kindliche Alltag keineswegs frei von Stressfaktoren oder Ängsten. Ändert sich der gewohnte Tagesablauf beispielsweise durch den Kita-Start oder aufkommenden Familienzwist, halten einige Kinder den Stuhl zurück und „verdrücken“ das große Geschäft.

Erprobte Maßnahmen bei Kindern mit Verstopfung

Hier stehen den Eltern bewährte Konzepte und Hilfsmittel zur Verfügung:

Hausmittel

  • Sanfte Bauchmassage mit der flachen Hand im Uhrzeigersinn
  • Eine Wärmflasche oder warme Wickel auf dem Bauch
  • Ein halbes bis ein Glas Wasser
  • Reiner Trauben- oder Apfelsaft
  • Birnen, Aprikosen oder Pflaumen in Stückchen oder als Mus
  • Zuvor eingeweichtes Trockenobst wie Feigen, Datteln oder Backpflaumen
  • Leinsamen, Flohsamen, Flohsamenschalen oder Weizenkleie, jeweils mit ausreichend Flüssigkeit
  • Sauerkraut oder Sauerkrautsaft

Frei erhältliche Drogerie- und Apothekenprodukte

Für Babys ab dem siebten Lebensmonat eignet sich Milchzucker (1 bis 2 Teelöffel täglich, eingerührt in ein Getränk oder Joghurt). Das fördert die Darmflora und sorgt für eine lockere Stuhlkonsistenz.

Bei Kindern ab dem zweiten Lebensjahr wirkt Feigensirup anregend auf den Darm und macht den Stuhl weich (1/2 bis 2 Teelöffel pro Tag).

Ungeeignete Mittel

Keinesfalls geeignet für die Verstopfung bei Kindern sind alle bei Erwachsenen üblichen Präparate und Pflanzenprodukte wie Rhabarberwurzel, Sennesblätter oder Faulbaumrinde. Auch Glauber- und Bittersalz dürfen Kinder unter 6 Jahren gemäß Beipackzettel nicht einnehmen.

Ab wann zum Arzt?

Ein Arztbesuch ist angezeigt, wenn die Verstopfung über zwei Wochen hinaus anhält. Leidet das Kind jedoch zusätzlich unter starken Bauchschmerzen oder anderen auffälligen Beschwerden, ist zügig ärztliche Hilfe ratsam.

Ergibt die Erstuntersuchung keine Hinweise auf ernstere Ursachen, erhält der kleine Patient Medikamente, die den Stuhl aufweichen. In der Regel ist dann nach längstens drei Monaten die Welt wieder in Ordnung3.

Damit das möglichst dauerhaft so bleibt, ist eine gute Vorsorge die beste Maßnahme. Sie beinhaltet vor allem eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung, ausreichendes Trinken und regelmäßige Bewegung.

Die elterliche Vorsorge sollte aber nicht in übertriebene Verbote von Lebensmitteln münden, die Kinder besonders lieben. Gelegentliche Ausnahmen machen noch keine Verstopfung!

Ein kindgerechtes Comic-Erklärvideo „So funktioniert mein Körper: Die Verdauung“ unterstützt Vater und Mutter dabei, ihrem Nachwuchs den Nutzen gesunder Ernährung zu vermitteln: https://www.baby-und-familie.de/Erziehung/So-funktioniert-mein-Koerper-Die-Verdauung-232081.html

Fazit

Vorübergehende Verstopfungen bei Kindern sind in erster Linie ein Symptom für eine gestörte Darmfunktion, aber keine Krankheit an sich. Meist reichen Hausmittel oder frei erhältliche Drogerie- und Apothekenprodukte aus, um den Kindern zu helfen.

Erst bei anhaltender Verstopfung über zwei Wochen hinweg ist ein Arztbesuch ratsam. Bei zusätzlich starken Bauchschmerzen oder anderen auffälligen Beschwerden hingegen ist zügig ärztliche Hilfe erforderlich.

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Über den Autor

Dr. Erwin Spiegel

Erwin ist promovierter Chemiker und arbeitet seit über 30 Jahren als geprüfter wissenschaftlicher Klinikreferent. Mit seinem großen Erfahrungsschatz ist er der richtige Ansprechpartner für schulmedizinische und pharmazeutische Fragenstellungen. Mehr Informationen zu unseren Autoren finden Sie auf der Seite Über uns