Familie

Übergewicht bei Kindern – hilfreiche Tipps für Eltern

Übergewicht bei Kindern

Immer mehr Menschen haben mit Übergewicht und den gesundheitlichen Folgeerscheinungen zu kämpfen. Dabei betrifft dies nicht nur Erwachsene. In Deutschland ist bereits mehr als jedes sechste Kind übergewichtig, Tendenz steigend. Hauptursachen dafür sind vor allem falsche Ernährungsgewohnheiten und deutlich zu wenig Bewegung.

Oft können Eltern schon mit einfachen und leicht in den Alltag zu integrierenden Maßnahmen gegensteuern. Auch bei Ärzten oder entsprechenden Beratungsstellen können Betroffene Hilfe erhalten.

Wann gilt ein Kind als übergewichtig?

Übergewicht bei Kindern ist weiter verbreitet, als sich zunächst vermuten lässt. Nach einer bundesweiten Studie des Robert-Koch-Instituts betrifft Übergewicht bei den Drei- bis Sechsjährigen 9 Prozent der Kinder, bei den Sieben- bis Zehnjährigen sind es immerhin schon 15 Prozent1.

Unter einem extremen Übergewicht – der sogenannten Adipositas – leiden fast 3 Prozent der drei- bis sechsjährigen Kinder. In der nächsten Altersstufe sind bereits 8,5 Prozent adipös. An diesen Zahlen zeigt sich, dass sich dieses Problem mit steigendem Alter verstärkt.

Bei den Erwachsenen gilt bereits jeder zweite als übergewichtig und fast jeder vierte als adipös.

In den meisten Fällen lässt sich Übergewicht im Kindesalter mit der richtigen Ernährung und mit einer Erziehung zur Freude an Bewegung vermeiden. Sollten Eltern den Verdacht haben, dass ihr Kind zu dick für sein Alter ist, ist ein Gespräch mit dem Kinderarzt sinnvoll.

Doch wie können Eltern die Tendenz zu einem Übergewicht bei ihrem Kind frühzeitig entdecken?

Body-Mass-Index als erster Anhaltspunkt

Eine Möglichkeit, ein vorhandenes Übergewicht zu erkennen, ist die Bestimmung des Body-Mass-Index (BMI), der sich aus dem Gewicht und der Körpergröße errechnen lässt. Das Körpergewicht in Kilogramm wird dabei durch das Quadrat der Körpergröße in Metern dividiert.

Bei Erwachsenen weist ein BMI zwischen 25 und 30 auf ein Übergewicht hin und ein BMI von über 30 auf eine Adipositas. Für Kinder gelten aufgrund ihres Körperbaus andere Werte, wobei Geschlecht und Alter zu berücksichtigen sind.

So sollte beispielsweise bei einem Mädchen im Alter von acht Jahren ab einem BMI von 18,8 die Gewichtsentwicklung im Auge behalten werden. Im Internet finden sich zahlreiche Tabellen und BMI-Rechner speziell für Kinder und Jugendliche.

Für Babys und Kleinkinder ergibt eine Momentaufnahme durch die Berechnung des BMI jedoch wenig Sinn, da ihre Entwicklung oft schubweise verläuft. Das Gewicht im Verhältnis zur Körpergröße kann daher durch plötzliche Wachstumsschübe sehr stark schwanken.

Aus diesem Grund ist es insbesondere bei den ganz Kleinen erforderlich, dass der Gewichtsverlauf über einen längeren Zeitraum beobachtet und am besten von einem Kinderarzt bewertet wird.

Insgesamt kann bei Kindern die Berechnung des BMI nur ein erster Anhaltspunkt sein. Da der BMI jedoch noch keinen Aufschluss über den Fettanteil gibt und die individuelle Statur nicht berücksichtigt, sollten der BMI und der Verdacht auf ein Übergewicht stets mit dem Arzt besprochen werden.

Ursachen für Übergewicht bei Kindern

In erster Linie werden ein falsches Ernährungsverhalten und wenig Bewegung für Übergewicht verantwortlich gemacht. Dabei werden die Weichen hier schon sehr früh gestellt. Bereits im Babyalter gewöhnt sich das Kind an eine bestimmte Zusammensetzung der Ernährung und der Stoffwechsel stellt sich darauf ein.

Tierische Produkte

Im frühen Alter kann das tierische Eiweiß aus der Kuhmilch ein Risiko für späteres Übergewicht bedeuten. Generell ist die Aufnahme von tierischem Eiweiß für Kinder wichtig. Milch enthält zudem viele wertvolle Nährstoffe wie Vitamine und Kalzium. Doch besonders hier gilt: die Menge macht’s!

Isst das Kleinkind zusätzlich zur Milchmahlzeit noch weitere Milchprodukte oder Wurst, ist schnell eine kritische Menge an tierischem Eiweiß erreicht, die dick machen und gleichzeitig die Nieren belasten kann.

Zucker und Süßigkeiten

Eine weitere Gefahr stellt der Zucker dar. Schon die Knabbereien und Desserts für Babys enthalten oft unnötige Zuckerzusätze, an die sich die Kinder gewöhnen und auf die sie dann später nicht mehr verzichten wollen. Süßigkeiten sind in den meisten Haushalten immer verfügbar und werden gerne schnell gegen den kleinen Hunger zwischendurch eingesetzt.

Die Hersteller verstehen es hervorragend, Süßigkeiten durch die Anpreisung guter Zutaten oder den Zusatz von Vitaminen als gesunde Zwischenmahlzeiten zu tarnen, sodass Eltern oft das Gefühl haben, ihren Kindern etwas Gesundes zu geben.

Tatsächlich sind jedoch diese kleinen Zuckerbomben und süße Getränke eine der Hauptursachen für Adipositas und Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ 2.

Als problematisch hat sich auch Fruktose erwiesen, die besonders schnell in Fett umgewandelt wird. In vielen Nahrungsmitteln ist heutzutage der besonders billige Glukose-Fruktose-Sirup mit einem hohen Fruktose-Anteil enthalten, der weiter zur Zunahme von Übergewicht und Adipositas und entsprechenden Folgeerkrankungen beitragen wird.

Hier sind Aufklärung und eine entsprechende Kennzeichnung der Produkte hilfreich, denn diese Maßnahmen können präventiv wirken, wie die Daten der OECD beweisen2.

Nicht vollwertige Lebensmittel

Fast Food
Falsche Fette und Weißmehlprodukte, die durch eine überhöhte Insulinausschüttung noch mehr Hunger auslösen und gleichzeitig kaum wertvolle Nährstoffe liefern, sind ebenfalls für die Entstehung von Übergewicht verantwortlich.

Aber nicht nur die Inhaltsstoffe der Nahrungsmittel, auch die Art der Nahrungsaufnahme spielt eine große Rolle für die Entwicklung von zu viel Gewicht.

So gilt Fast Food als besonderes Risiko, nicht nur, weil hier viele ungesunde Fette, viel Salz und wenig gesunde Nährstoffe enthalten sind, sondern die Mahlzeit auch – wie der Name schon sagt – meist schnell gegessen wird. So wird viel Energie in kürzester Zeit aufgenommen und das Sättigungsgefühl tritt zu spät ein.

Weitere Ursachen

Für die Entstehung von Übergewicht ist nach neuesten Erkenntnissen zudem sogar die Verpackung der Nahrungsmittel verantwortlich3.

Bisphenol A und andere Weichmacher für Plastik, sogenannte Phthalate, tragen zur Bildung von Fettzellen bei und beeinflussen den Stoffwechsel und den Hormonhaushalt in einer Weise, die Übergewicht begünstigt. Diese Stoffe können in Plastikflaschen oder in Konservendosen vorkommen.

Letztlich führt vor allem auch ein hoher Medienkonsum zu Übergewicht bei Kindern, wie mehrere Studien zeigen4. Denn wer vor dem Fernseher oder der Spielekonsole sitzt, verbraucht währenddessen meist kaum Kalorien, nimmt jedoch gleichzeitig gerne welche in Form von Chips oder Süßgetränken zu sich.

Risiken, die das Übergewicht bei Kindern mit sich bringt

Starkes Übergewicht birgt ein erhöhtes Risiko von Erkrankungen. Orthopädische Probleme wie Rückenschmerzen und häufigere Knochenbrüche sind schon bei jüngeren Kindern zu beobachten.

Das Gleiche gilt für eine übermäßige Belastung der Gelenke, die nicht nur zu Schmerzen, sondern auch zu Fehlstellungen führen kann. Senk- oder Spreizfüße, X- oder O-Beine sind die Folge. Auch Diabetes Typ 2-Erkrankungen nehmen im Kindes- und Jugendalter immer weiter zu.

Das hormonelle Ungleichgewicht, das durch Adipositas bei Kindern verursacht wird, ruft zudem eine verfrühte Pubertät und im Extremfall sogar Unfruchtbarkeit hervor. Weitere mögliche Folgen von extremem Übergewicht sind eine erschwerte Atmung bis hin zur Schlaf-Apnoe, eine Fettleber oder Gallensteine.

Sind ein paar Kilo zu viel wirklich schon bedenklich?

Die Wahrscheinlichkeit, bereits im Kindesalter an einer der oben genannten Erkrankungen zu leiden, steigt mit zunehmendem Übergewicht. Aber auch ein paar Kilo zu viel können schon problematisch sein, wenn das Gewicht über einen längeren Zeitraum oberhalb des Normalgewichts liegt.

So neigt das Bindegewebe von bereits leicht übergewichtigen Kindern eher zu Rissen, was unschöne „Schwangerschaftsstreifen“ hinterlässt.

Zudem werden die betroffenen Kinder die Kilos oft auch später im Erwachsenenalter nicht mehr los, wenn nicht frühzeitig gegengesteuert wird.

Das Risiko, im Erwachsenenalter ebenfalls unter Übergewicht zu leiden, liegt bei Kindern, die schon im Alter von 10 bis 14 Jahren zu viel auf die Waage bringen, bei immerhin 55 Prozent5.

Wie eine Studie am schwedischen Karolinska Institut zeigt, ist dies unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Anzahl der im Kindes- und Jugendalter erworbenen Fettzellen sich später nicht mehr reduziert. Diese als Adipozyten bezeichneten Fettzellen stellen also lebenslang einen Speicher dar, der sich jederzeit schnell wieder füllen kann6.

Im Erwachsenenalter werden zudem weitere gesundheitliche Probleme relevant. Dazu zählen insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkte oder Schlaganfälle.

Psychische Folgen

Nicht nur physische Erkrankungen sind die Folge von Übergewicht. Betroffene Kinder leiden meist auch psychisch.

Sie können sich oft nicht so gut bewegen wie ihre Altersgenossen, erzielen keine so guten sportlichen Leistungen und haben ein geringes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Es kann vorkommen, dass sie in der Klassengemeinschaft ausgeschlossen und Opfer von Mobbing werden.

Maßnahmen gegen Übergewicht bei Kindern

Um ihre Kinder vor den gravierenden physischen und psychischen Folgen von Übergewicht zu schützen, sollten Eltern frühzeitig handeln. Dabei darf Kindern mit Übergewicht jedoch keine Diät verordnet werden, da diese ein gesundheitliches Risiko mit sich bringt und zudem zu keiner langfristigen Veränderung führt.

Der Jo-Jo-Effekt ist dabei eine Gefahr, die jeder kennt und die vor allem bei Kindern den psychischen Druck erhöhen kann. Gleichzeitig können Kinder, die schon früh mit Diäten konfrontiert werden, auch andere Essstörungen wie Anorexie oder Bulimie entwickeln.

Im Idealfall kümmern sich Eltern bereits im Babyalter um die richtige Ernährung für ihr Kind. Schon bei Kleinkindern sollte möglichst auf süße Zwischenmahlzeiten verzichtet werden.

Wer seine Kinder früh an eine gesunde und ausgewogene Kost mit viel Gemüse gewöhnt, hat meist auch später nicht mit einer Abneigung der Kinder gegen „Grünes“ auf dem Teller zu kämpfen. Das optimale Getränk für Kinder ist Wasser. Auf süße Limonaden kann hingegen gänzlich verzichtet werden.

Wenn das Kind bereits unter Übergewicht leidet

Eine langsame und vor allem langfristige Umstellung der Ernährungsgewohnheiten führt meist zum Erfolg. Viele Produkte in der Küche können gegen gesunde Lebensmittel ausgetauscht werden, ohne dass die Kinder dies überhaupt bemerken.

Verwenden Sie zum Kochen beispielsweise gesunde und Omega-3-reiche Öle wie Olivenöl, Rapsöl oder Kokosöl und ersetzen Sie Weißmehlprodukte durch Vollkornprodukte.

Viele typische Lieblingsgerichte der Kinder gibt es bereits als Vollkornvariante, zum Beispiel Spaghetti. Mit einer frischen Tomatensauce zubereitet, erhält man eine leckere und gleichzeitig gesunde Mahlzeit.

Übergewicht bei Kindern Ernährung
Schwierig wird es meist beim Thema Süßigkeiten. Es ergibt wenig Sinn, Süßigkeiten von einem auf den anderen Tag komplett zu verbannen. Zu groß ist die Gefahr, dass sich alte Gewohnheiten schnell wieder einschleichen, da die plötzliche Veränderung nicht durchgehalten werden kann. Heimliche Naschereien sind dann die Folge.

Wenn diese Maßnahme vom Kind fälschlicherweise als Bestrafung verstanden wird, bedeutet das zudem eine psychische Belastung. Das Thema Essen würde so an Relevanz gewinnen, anstatt als normal und selbstverständlich zu gelten. Sinnvoller ist es daher, Süßigkeiten nach und nach zum Beispiel durch gesundes Obst zu ersetzen.

Gesunde Gewohnheiten einführen

Natürlich spielt auch die Bewegung eine große Rolle. Es muss nicht gleich Leistungssport sein, der für übergewichtige und untrainierte Menschen ohnehin ungeeignet ist. Man kann schon für mehr Bewegung sorgen, indem einfache tägliche Routinen umgestellt werden.

Fahren Sie mit ihrem Kind zum Beispiel mit dem Fahrrad statt mit dem Auto. Ideal ist eine Mitgliedschaft in einem Sportverein, der mehrmals wöchentlich Training anbietet. Ältere Kinder und Jugendliche sind oft gut mit Gesundheits-Apps oder Schrittzählern zu motivieren.

Auch das gemeinsame Essen am Familientisch kann letztendlich zum Erfolg führen, wenn eine entspannte und harmonische Atmosphäre herrscht, in der man sich gerne Zeit für das Essen nimmt.

Spezielle Kuren für Kinder mit Adipositas sind eine Möglichkeit, die Umstellung der Lebensgewohnheiten über einen längeren Zeitraum in einem geschützten Rahmen zu entwickeln und erproben.

Diese Kuren berücksichtigen die Aspekte Ernährung und Bewegung und bieten gleichzeitig psychotherapeutische Unterstützung. Auch die Eltern werden miteinbezogen und entsprechend geschult, damit sie das Übergewicht ihres Kindes verstehen und lernen, was sie dagegen tun können.

Fazit

Übergewicht bei Kindern ist ein ernstzunehmendes Problem, das meist nicht von alleine wieder verschwindet. Die Kinder leiden physisch und psychisch unter den Folgen und bleiben oft auch im Erwachsenenalter übergewichtig. Eltern können aber mit einfachen Maßnahmen gegensteuern.

Eine Umstellung der Ernährung und der Alltagsgewohnheiten kann schon hilfreich sein. In jedem Fall sollte ein Arzt oder eine Ernährungsberatung hinzugezogen werden, um bei vorhandenem Übergewicht rechtzeitig und mit den richtigen Mitteln einzugreifen. So können Eltern zu einer gesunden Entwicklung und zur psychischen Stabilität ihrer Kinder beitragen.

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Über den Autor

Ariane

Ariane ist Diplom-Sozialpädagogin (FH) und Sonderpädagogin (Magister Artium, Univ.) und interessiert sich persönlich für alternative Heilkunde, Ernährung und Yoga. Ihre Erfahrung bringt sie bei sämtlichen Themen im Bereich Kinder und Familie ein. Mehr Informationen zu unseren Autoren finden Sie auf der Seite Über uns

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