Gesundheit

Spondylarthrose — Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Spondylarthrose

Regelmäßig auftretende Rückenschmerzen sind für viele Menschen eine Qual, da sie den Alltag zunehmend erschweren. Auf ihrer Suche nach Wegen zur Besserung stoßen sie auf umfangreiche Informationen, die inhaltlich eher verwirrend als hilfreich sind.

Der folgende Text beschreibt nachvollziehbar, was sich hinter der Spondylarthrose verbirgt und welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf bewährten Konzepten, die in überschaubarer Zeit die Beschwerden merklich lindern. Zusätzlich reduzieren sie vorbeugend das Risiko, ernsthafte Folgeschäden zu entwickeln.

Die Spondylarthrose — kurz und knapp

Die Wirbelsäule sorgt dafür, dass der Oberkörper nach allen Richtungen gut beweglich ist. Damit das störungsfrei abläuft, sind die einzelnen Wirbel flexibel übereinandergestapelt und durch Bandscheiben getrennt, die als Stoßdämpfer dienen.

Nur zum Rücken hin liegen die Wirbelknochen mit kleinen Gelenken, den Wirbelsäulen- oder Facettengelenken, fast aufeinander. Lediglich eine schützende Knorpelschicht und die Gelenkschmiere isolieren sie noch gegenseitig und sorgen dafür, dass bei der Rumpfbewegung kein Reibungsschmerz entsteht.

Sind diese Rückgratgelenke durch eine Arthrose geschädigt, kommt es bei den meisten Menschen beim Beugen und Drehen des Rumpfes zu Kreuzschmerzen. Hierbei sind viele in ihrer Beweglichkeit zusätzlich eingeschränkt.

Der Name Spondylarthrose setzt sich aus zwei Begriffen zusammen: „Spondyl“ stammt vom griechischen Wort „Spondylos“ und bedeutet „Wirbel“, „Arthrose“ ist die allgemein bekannte Erkrankung von Gelenken.

Das Beschwerdebild, das auch die Bezeichnungen Wirbelgelenkarthrose, Facettengelenkarthrose oder Facettensyndrom trägt, ist in der gesamten Bevölkerung weit verbreitet. Der Grund liegt im langsamen, altersbedingten Verschleiß des Knorpel- und Knochengewebes, den die Mediziner „degenerativen Prozess“ nennen.

Auffällige Symptome

Das Hauptmerkmal einer Spondylarthrose sind die Rückenschmerzen im Lendenbereich. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer typischer Zeichen, wie die nachfolgende Liste zeigt. Je nach Art der geschädigten Wirbel können sie an unterschiedlichen Stellen des Rückgrats bis hoch zum Nacken auftreten und auch in andere Körperregionen ausstrahlen.

  • Vorrangig dumpfe Schmerzen im Bereich der Lendenwirbel
  • Öfters Missempfindungen bis in das Gesäß und die Beine
  • Bei betroffenen Halswirbeln Nackenschmerzen, teils bis in die Arme hinein spürbar
  • Kaum Beschwerden im Bereich der Brustwirbel
  • Beim Belasten und Bewegen verstärkt Schmerzen
  • Eingeschränkte Beweglichkeit beim Bücken und Drehen
  • Symptome bei längerem Krankheitsverlauf zunehmend
  • Frauen etwas häufiger betroffen

Diagnoseschritte

Spondylarthrose Diagnose
Um einen klaren Befund zu erhalten, geht der Arzt stufenweise vor.

Die ausführliche Schilderung der Probleme liefert ihm erste Hinweise, welche Teile der Wirbelsäule Schwächen zeigen. Dies ist sehr wichtig, weil neben den Facettengelenken weitere Strukturen des Rückgrats wie zum Beispiel die Bandscheiben dem Verschleiß unterliegen. Dabei überlagern sich die Symptome häufiger und erschweren anfangs die sichere Zuordnung.

Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung erfolgen Tests der Beweglichkeit, das Abtasten der schmerzenden Körperpartien mit den Händen sowie eine Funktionsprüfung der Nerven. Daraus leitet sich dann das weitere Vorgehen ab.

Ein Röntgenbild ergibt wichtige Informationen, welche Teile der Wirbelsäule unter dem Abbau leiden. Ausgehend davon führt der Arzt bei Bedarf eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durch, die noch schärfere Bilder liefern.

Deuten die Befunde darauf hin, dass auch die Nervenfasern des Rückenmarks an den Symptomen beteiligt sind, erfolgen für eine genaue Diagnose ergänzende Untersuchungen.

Mögliche Ursachen

Für eine Spondylarthrose sind vier Hauptursachen maßgebend:

  1. An erster Stelle ist es das Älterwerden, das zu natürlichen Abbauprozessen führt und die Gelenkstrukturen schwächt. Hierbei kann der Organismus zwar vorübergehend kleine Schäden reparieren, stößt aber beim weiteren Verschleiß an seine Grenzen.
  2. Ein zweiter Kernpunkt besteht darin, wie der Einzelne seinen Körper beansprucht. Dabei reicht die Spanne von großem Krafteinsatz bei schwerer körperlicher Arbeit oder intensivem Sport bis hin zu stundenlang sitzender Tätigkeit, zum Beispiel als Lkw-Fahrer oder am PC.
  3. Der dritte Einflussfaktor ist die zunehmende, allgemeine Bewegungsarmut. Hierunter leidet die Knorpelschicht der Wirbelgelenke, die nur durch stetigen Bewegungsdruck ausreichend Nährstoffe aus der umgebenden Gelenkflüssigkeit erhält. Das funktioniert wie bei einem Schwamm, der sich nach dem Ausdrücken erneut mit Wasser füllt.
  4. Viertens ist es die moderne Ernährung, die meist mehr Kalorien liefert, als der Körper täglich verbraucht. In der Folge kommt es bei einer Reihe von Menschen neben Übergewicht öfters zu Störungen des Stoffwechsels. Beides wirkt sich schädlich auf die Gelenke aus und fördert den schnelleren Verschleiß.

Häufige Komplikationen einer Spondylarthrose

Der Abbauprozess an der Wirbelsäule erfolgt durchweg an mehreren Stellen gleichzeitig, was die genaue Diagnose deutlich erschwert. In solchen Fällen erhält die Störung ihren Namen nach dem auffälligsten Befund, wie die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen.

  • Bei der Chondrose sind zusätzlich die Bandscheiben undicht und verlieren Flüssigkeit, wodurch sich deren Stoßdämpferfunktion verringert. In schweren Fällen zerstört das die Bandscheiben.
  • Aus der Chondrose kann sich eine Osteochondrose entwickeln, wenn sich das Knochengewebe unter dem Gelenkknorpel zusätzlich verhärtet (sklerotisiert). Der Grund dafür ist, dass die defekten Bandscheiben ankommende Stöße ungebremst von einem Wirbelknochen an den nächsten weitergeben.
  • Eine Spondylose bildet sich, wenn die Wirbelsäule an Stabilität verliert und zum Ausgleich von einem Wirbel zum nächsten eine knöcherne Brücke aufbaut. Das gibt ihr zwar neue Festigkeit, versteift sie aber in vielen Fällen, wodurch betroffene Personen deutlich an Bewegungsfähigkeit einbüßen1.

Bewährte Therapieformen

Die Behandlung von Rückenschmerzen erfolgt bevorzugt konservativ. Dabei geht es hauptsächlich darum, die Beschwerden zu lindern und bedarfsweise Entzündungen zu beseitigen. Für eine Operation kommt nur infrage, wer im Einzelfall auf die reguläre Behandlung nicht ausreichend anspricht. Aber auch dieser Personenkreis kann damit rechnen, dass chirurgische Eingriffe die zuvor bestehenden Probleme in der Regel deutlich bessern.

Operationen und ambulante Maßnahmen
Wenn Nerven im Wirbelkanal eingequetscht sind und starke Schmerzen verursachen, beseitigt der Arzt die Druckstelle operativ. In seiner Fachsprache nennt er das eine Dekompression oder Druckentlastung.

Ist die Wirbelsäule an einigen Stellen instabil, verhelfen Spezialschrauben (Pedikelschrauben) zu neuer Festigkeit. Der Vorteil dieser OP-Technik besteht darin, dass der Rumpf weiterhin gut beweglich bleibt. Das bringt auch der Name funktionserhaltender Eingriff treffend zum Ausdruck.

Im Gegensatz dazu ist das Versteifen (Fusion) eine Maßnahme, die zwei oder mehr Wirbel fest miteinander verbindet. Das schränkt die Beweglichkeit zwar teilweise ein, schafft aber für zuvor eingeklemmte Nerven neuen Platz und nimmt die Schmerzen. Diese OP-Form ist den schweren Fällen vorbehalten2.

Bei der stationär und ambulant durchführbaren Facettendenervierung verödet der Arzt die Gefühlsnerven der Facettengelenke durch Vereisung (Kryodenervierung) oder Hitze (Hochfrequenztechnik). Das geschieht unter lokaler Betäubung und Röntgenkontrolle. Die positiven Ergebnisse sind aber zeitlich auf einige Jahre begrenzt, weil sich die kleinen Nerven erneuern können. Eine Folgebehandlung ist allerdings möglich3,4.

Nimmt der Therapeut ambulant einen Facettengelenkblock vor, kombiniert er die Diagnose mit einer gleichzeitigen Schmerzbehandlung. Dabei gibt er eine Spritze mit einem lokalen Betäubungsmittel oder Kortison in das Facettengelenk. Verschwindet der Schmerz, kennt der Mediziner exakt die auslösende Stelle und gleichzeitig die wirksame Behandlung, die er im Anschluss konservativ fortsetzt5.

Medikamente
Neben schmerzlindernden Salben helfen Wirkstoffe zum Einnehmen wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen. Bei begleitenden Entzündungen kommen ergänzend Diclofenac und Kortison zum Einsatz. Sind die Schmerzen akut, gibt es Spritzen.

Physiotherapie
Durch bewährte Übungen lernen die vom degenerativen Abbau Geschädigten, ihre Symptome zu lindern. Zudem trainieren sie, Alltagsbewegungen schmerzfrei durchzuführen. Ergänzend kräftigen sie die Muskulatur, sorgen für beweglichere Gelenke und bessern ihre Koordinationsfähigkeit.

Wer zusätzlich Verspannungen lösen und die Durchblutung anregen will, kann Massagen und Saunabesuche unterstützend nutzen.

Vorbeugung

Die Vorsorge hat einen hohen Stellenwert, da sie den Verschleiß des Skelettsystems verlangsamt und so wesentlich zu einer anhaltend guten Lebensqualität beiträgt.

Einer ihrer Kernpunkte besteht darin, sich regelmäßig zu bewegen. Dafür eignen sich ganzjährig Spaziergänge, idealerweise mehrmals wöchentlich. Freunde von Ausgleichssport wie Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking oder Wandern sollten diese gute Gewohnheit auf jeden Fall weiterhin pflegen oder erneut aufgreifen, wenn sie pausieren mussten.

Nicht ratsam hingegen sind Sportarten wie Fußball, Tennis oder Kraftsport, die mit schnellen Richtungswechseln und höherem Verletzungsrisiko verbunden sind.

Für weniger Umtriebige bieten sich Rückenkurse im Sportverein oder Fitnesscenter an. Dafür übernehmen die Kassen anteilig die Kosten, wenn die Teilnehmer eine ärztliche Verordnung vorlegen.

Wer zu Übergewicht neigt und damit seine Gelenke belastet, ist mit einer ausgewogenen Ernährung oder einer Mittelmeerdiät gut beraten, wenn er abnehmen will. Dabei helfen als Richtschnur dauerhaft eine Kleidergröße oder zehn bis fünfzehn Kilos weniger.

Ein angepasster Speiseplan eignet sich auch für Menschen mit einem gestörten Stoffwechsel, der ebenfalls zu den Türöffnern für Gelenkschäden zählt. Hier liegt der Grund in der schlechten Versorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen, die sich bei abwechslungsreicher Kost wieder normalisiert.

Fazit

Bei der Spondylarthrose handelt es sich um den altersbedingten Verschleiß der Wirbelgelenke, der sich hauptsächlich mit Rückenschmerzen im Lendenbereich zeigt. Mit den ansteigenden Lebensjahren leidet die breite Mehrheit der Bevölkerung darunter.

Heilung ist nicht möglich, wohl aber eine lindernde konservative Therapie. Dabei tragen eigene Maßnahmen mit dazu bei, die Beschwerden stufenweise zu verringern. Vorbeugende Schritte sorgen zusätzlich dafür, die erreichte Besserung lange zu erhalten.

Für die deutlich seltener auftretenden schweren Formen des Facettensyndroms sind unterschiedliche operative Eingriffe möglich. Sie verhelfen in der Regel auch diesen Personen zu neuer Lebensqualität, indem sie die Schmerzen spürbar lindern und die Beweglichkeit bessern.

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Über den Autor

Dr. Erwin Spiegel

Erwin ist promovierter Chemiker und arbeitet seit über 30 Jahren als geprüfter wissenschaftlicher Klinikreferent. Mit seinem großen Erfahrungsschatz ist er der richtige Ansprechpartner für schulmedizinische und pharmazeutische Fragenstellungen. Mehr Informationen zu unseren Autoren finden Sie auf der Seite Über uns

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