Gesundheit

Ölziehen – nicht nur für starke Zähne

Ölziehen

Ölkauen, Ölziehen oder einfach nur das Spülen des Mundes mit Pflanzenöl erfreut sich wachsender Beliebtheit, auch wenn eine eindeutige wissenschaftlich fundierte Erklärung über die Wirksamkeit noch aussteht. Nicht selten trifft neugieriges Interesse, Aufgeschlossenheit für naturheilkundliche Verfahren oder die Gewissheit, dass Ölziehen genau das Richtige für die eigene Gesundheit ist, auf Unglauben.

Es gibt einige Gründe, die dem Ölziehen in den vergangenen Jahrzehnten so viel Anerkennung verschafften. Erkenntnisse über die wohltuende, erfrischende und lindernde Wirkung des Ölziehens laden ein, diesen Klassiker der Volksmedizin näher kennenzulernen.

Wie läuft eine Ölkur im Einzelnen ab und was ist dabei zu beachten? Und welche Erfahrungen gehen mit dieser „sanften Medizin“ einher?

Geschichte des Ölziehens

Schon früh gehörte auch jenseits der Grenzen Indiens das Ölziehen zum Repertoire der großen Medizintraditionen. In Tibet als auch in China ist diese Behandlung bereits seit vielen Jahrhunderten bekannt. Bis heute setzt die traditionelle chinesische Medizin das Ölziehen zur Vorbeugung wie zur Behandlung ein.

Regelmäßiges Ölziehen stärkt die Kieferknochen und die Stimme, entwickelt das Gesicht und maximalen Geschmack der Nahrung. Zähne bekommen keinen Karies und werden fest verwurzelt. Es gibt weder Zahnschmerzen noch Sensibilitäten, die Zähne können selbst die härteste Nahrung kauen.traditionelle Literatur des Ayurveda

An Aktualität hat die ayurvedische Lehre nichts eingebüßt. Im Gegenteil, Ayurveda hat sich in vielen Landesteilen der Welt als einfache und ganzheitliche Form des Heilens bewährt. Eine der wichtigsten Säulen des Ayurveda ist die Entgiftung und Reinigung: Panchakarma, das Herz der ayurvedischen Medizin.

Einzug in den Westen

Einst war es der russische Arzt Dr. F. Karach, welcher die Methode des Ölziehens als Heilmethode auf einem Kongress des All-Ukrainischen Verbandes der Onkologen und Bakteriologen empfahl. Bei deutschen Lesern stieß die Methode auf reges Interesse.

Seit der Erstveröffentlichung kursieren unzählige Kopien des Originalbeitrages unter den Gesundheitsbewussten. Die Vielfalt der Fassungen wird zunächst von der Fachzeitschrift Natur und Medizin vorgestellt6 und anschließend von dem Gesundheitsmagazin Natur und Heilen fortgesetzt. Ab diesem Zeitpunkt praktizieren achtsam lebende Zeitgenossen das Ölziehen mit großem Erfolg und schätzen die Einfachheit dieser Methode.

Anwendungsgebiete

Viele Menschen verbinden die ayurvedische Lehre mit Wellness, Entspannung oder bestimmten Ernährungsweisen. Ayurveda ist weit mehr als das. Die uralte Heilkunst nimmt unter den ganzheitlichen Heilverfahren eine besonders Stellung ein. Die Prinzipien sind universal und unvergänglich.

Zunge, Mund und Speichel

Der Mund ist das Sammelbecken für Gifte aller Art. Die ayurvedische Heilkunde geht davon aus, dass jedem Zahn ein bestimmtes Organ zugeordnet ist, mit dem es in einer wechselseitigen Beziehung steht. Langfristig belasten malade Zähne den gesamten Organismus4.

Die Folgerkrankungen reichen von häufigen Entzündungen der Mandeln, der Nasennebenhöhlen oder des Rachens bis zu Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Migräne, rheumatischen Erkrankungen und vielen weiteren Beschwerden.

Auch die Zunge erfährt im Ayurveda eine besondere Bedeutung. Sie tritt nicht nur als Spiegelbild der Seele auf, sie verrät auch Vieles über unsere physische Verfassung. Über eine Inspektion der Zunge erkennen geübte Ayurveda-Ärzte viele Krankheiten.

Die chinesische Medizin beschreibt den Speichel als himmlischen Tau. Wegen seiner antibakteriellen Wirkung schreibt man dem Speichel eine große Heilkraft zu. Das Immunsystem erfährt durch ihn tatkräftige Unterstützung.

Beruhend auf den vielen Eiweißkörpern, die im Speichel enthalten sind, wird die Reinigungswirkung deutlich erhöht. Je mehr davon unterwegs sind, desto besser ist die Widerstandskraft gegen Viren und Bakterien im Mund- und Rachenraum.

Mit dem Öl, welches durch den Mundraum gezogen wird, entsteht eine Art Sogwirkung. Dank dieser können auch tiefer gelagerte Schad- und Giftstoffe ausgeschieden werden. Demzufolge befreit das Öl weit mehr, als das, was sich „nur“ im Mundraum tummelt.

Der eigentliche Grundsatz des Ölziehens beruht auf der einfachen Art und Weise des Verfahrens, nämlich dem Schlürfen des Öls und auf dem Heilvorgang, der vom menschlichen Organismus selbst vollzogen wird. In der Fachzeitschrift Natur und Medizin (Heft 3/93) erläutert Dr. Veronica Carstens die zentralen Aufgaben des Öls.

Das Öl regt zum einen den Organismus zur Schadstoffausscheidung an. Darüber hinaus bindet es, die über die Mundschleimhaut ausgeschiedenen Schadstoffe.

Auswirkungen auf den ganzen Körper

Angefangen von Kopfschmerzen bis zu Hormonstörungen, sind im Werk des Ayurveda über 30 Krankheiten aufgeführt, welche mittels Ölziehen geheilt werden sollen1.

Untermauert werden diese Erkenntnisse von dem renommierten ayurvedischen Arzt Dr. Deepak Chopra3 und dem Arzt für Naturheilverfahren Dr. Schrott. In den Büchern Die Körperseele und Ayurveda für jeden Tag erfährt die Mundraumbehandlung fundierte Erläuterungen zu Anwendung und Wirksamkeit.

Besonders bewährt hat sich das Ölziehen laut diesen Quellen bei

  • Verschleimung der Kiefer-, Stirn- und Nebenhöhlen
  • Erkrankungen der oberen Luftwege wie Husten, Bronchitis, Heiserkeit, Halsschmerzen und Schnupfen
  • Zahn- und Zahnfleischerkrankungen, Zahnstein

Außerdem soll das Ölziehen generell zur Entgiftung des Organismus, zur Stärkung der Abwehrkraft gegen Infekte und zur Steigerung des körperlichen Wohlbefindens beitragen. Auch bei Hauterkrankungen, rheumatischen Beschwerden sowie nervösen Beschwerden und depressiven Verstimmungen werden positive Folgen berichtet.

Wirkungsweise

Erklärungsversuche für ein Phänomen, das bisher auf keinen eindeutigen wissenschaftlichen Ausführungen beruht, gestalten sich nie einfach. Nicht selten offerieren sich abfällige Kritik und fachliche Bedenken.

Dennoch wird die Methode von vielen Menschen bereitwillig angenommen. Einige Schlussfolgerungen wurden in der Broschüre Sonnenblumenöl von Dr. Rosi Frey, einer holländischen Ärztin, veröffentlicht. Darin zeigt sich, dass 80 Prozent der Studienteilnehmer eine Verbesserung ihrer Beschwerden verzeichneten2. Bei 20 Prozent verschwanden die Beschwerden gänzlich.

Nebenwirkungen

Grundsätzlich ist die Methode des Ölziehens frei von schädlichen Nebenwirkungen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass der Körper auf den Entgiftungsprozess reagiert. Das Ölziehen entspricht an dieser Stelle einer Reinigungskrise, hervorgerufen durch verschiedene Entzündungsherde, die so empor gehoben werden4.

Letztendlich offeriert sich die Rückkehr zu Wohlbefinden, Gesundheit und Gleichgewicht. Parallel darf man seinen Körper bei der Reinigungsarbeit unterstützen. Etwa durch leichte Kost, ausreichend Schlaf, viel Bewegung und frische Luft.

Wenn Zweifel oder Unsicherheiten auftreten, empfiehlt sich ärztlicher Rat. Vorteilhafte Unterstützung gewährt ein naturheilkundlich orientierter Mediziner oder ein aufgeschlossener Hausarzt.

Anleitung zum Ölziehen

1. Vorbereitung
Vor der eigentlichen Ölspülung kann man sich etwas Öl auf die Handflächen geben, um es anschließend sanft auf Wangen, Nacken und Hals zu verreiben. So öffnet sich der Kopf und der Körper bereitet sich auf das Ölkauen vor.

2. Durchführung

  1. Zunächst wird der Mund ungefähr eine Minute mit warmen Wasser gespült
  2. Langsam füllt man den Mundraum mit einem Esslöffel Öl
  3. Mit ruhigen Bewegen wird das Öl im Mund „gekaut“ und zwischen den Zähnen hindurchgezogen
  4. Nach etwa zehn bis fünfzehn Minuten wird das Öl ausgespuckt, ohne etwas dabei herunter zu schlucken

3. Nachbereitung
Anschließend sollte der Mund gründlich ausgespült werden, die Zunge gereinigt und die Zähne geputzt werden.

Hinweise

Für eine kurze Zeit fühlt sich das Öl etwas dickflüssiger an. Durch die Einwirkung des Speichels wird es bald dünnflüssig.

Möglicherweise ereilt einen das Bedürfnis, das Öl nach zwei bis drei Minuten wieder ausspucken zu müssen. Das ist nicht ungewöhnlich. Am besten folgt man seinem eigenen Impuls und hält, was die Dauer betrifft, nicht sklavisch an ihr fest. Spontane Körperreaktionen folgen stets einer inneren Weisheit.

Der ideale Zeitpunkt ist der Morgen. Aber auch hier gilt: Ausprobieren, welche Zeit am besten auskommt. Unter Umständen lässt sich das Ölkauen vor dem Schlafengehen besser praktizieren5.

Welche Öle sind geeignet?

Sesamöl
Erdnussöl, Sonnenblumenöl, Olivenöl, Sesamöl, Kokosöl – jedes der genannten Öle eignet sich für die Verwendung im Rahmen einer Ölzieh-Kur. Wichtig ist die Verwendung kalt gepresster Öle, die nicht chemisch behandelt wurden. Orientierung bietet die Geschmacksrichtung.

Während Erdnuss- und Sonnenblumenöle geschmacksneutral überzeugen, lockt das Olivenöl mit einen ausgeprägten Eigengeschmack. Das Sesamöl begeistert hingegen mit einem feinen nussigen Aroma. Der Geschmack und die Konsistenz des Kokosöls werden als besonders angenehm empfunden.

Fazit

Das Ölziehen ist nicht nur eine Technik für die Gesundheit. Es kann auch ein Stimulus sein, um achtsamer mit sich und der Welt umzugehen. Was passiert auf allen Ebenen? Was kommt herein und was gelangt wieder nach außen? Es gilt, immer zwei Ebenen zu betrachten: die physische und die geistig psychische.

Während die Ölzieh-Kur regenerierend auf Körper und Seele wirkt, wird das Immunsystem gestärkt. Müdigkeit als auch unreine Haut gehören der Vergangenheit an und Allergien wird effektiv vorgebeugt. Bereits fünf Minuten täglich schenken Gesundheit und neue Lebenskraft.

Quellenverzeichnis
[1] Dr. Ernst Schrott: Ayurveda für jeden Tag. Gesund und jung mit Ayurveda. Die sanfte Heilweise für vollkommene Gesundheit und inneres Gleichgewicht. (München 2003)
[2] Dr. Rosi Frey: Sonnenblumenöl. Studienergebnisse über einen Zeitraum von zwei Monaten.
[3] Dr. Deepak Chopra: Die Körperseele. Grundlagen und praktische Übungen der indischen Medizin. (München 2006).
[4] Katharina Wolfram: Die Ölzieh-Kur. Heilung durch Entgiftung.
[5] Birgit Frohn: Reinigen und Entgiften mit Ayurveda.
[6] https://www.naturundmedizin.de/ Erstveröffentlichung des Ölziehens im Jahre 1991.