Nahrungsergänzung

Nootropika – wie sie wirklich funktionieren

Nootropika

Ganz gleich, ob Schüler, Student, Arbeitnehmer oder Chef: Sie alle wünschen sich, dass ihnen die besonders kniffligen Aufgaben, Präsentationen und Entscheidungen stets zügig gelingen. In diesem Zusammenhang taucht öfters die Wirkstoffgruppe „Nootropika“ auf, mit denen das bestens und ohne gesundheitliche Folgen gelingen soll.

Während die Vorteile dieser Produkte ausführlich dargestellt werden, fehlt es häufig an Hinweisen, was Interessierte von diesen Substanzen wirklich erwarten dürfen. Dazu wollen wir nachfolgend eine anschauliche Übersicht geben.

Was ist ein Nootropikum?

Das Wort Nootropikum ist ein Sammelbegriff für unterschiedlichste Produkte, die das Gehirn zu höherer Leistung, Konzentration und Kreativität anregen und die Motivation steigern. Neben Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln gehören auch Inhaltsstoffe von Pflanzen sowie Nährstoffe pflanzlicher und tierischer Herkunft dazu.

Das gemeinsame Wirkprinzip aller Nootropika besteht vereinfacht darin, die natürlich vorhandenen Botenstoffe in den Hirnstrukturen zu aktivieren. Die „melden“ dann dem Lernzentrum, einen komplexen Sachverhalt zügig zu verarbeiten oder der Gedächtniszentrale, bei einer Prüfung oder Präsentation hellwach zu sein. Weil die Gehirnzellen dafür sehr viel Power benötigen, verbessern diese Substanzen auch den Energiestoffwechsel und die Gehirndurchblutung.

Verspüren Anwender nach Einnahme eines Nootropikums erste positive Effekte, wirkt das zusätzlich motivierend und trägt dazu bei, eine zuvor depressive oder ängstliche Stimmung zu verdrängen.

Die Bezeichnung Nootropika geht auf Arzneimittel zurück, die vor etwa 50 Jahren für schwere Gedächtnisstörungen bei Demenzkranken (Alzheimer) entwickelt wurden. Heute gilt dieser Begriff für alle Produkte und Stoffe, die auch unabhängig von Krankheiten gehirnaktivierend wirken.

Damit eng verknüpft ist der in den USA entstandene Lifestyle-Trend, mit Nootropika die geistige Leistungsfähigkeit und Konzentration auch im Alltag zu verbessern. Er findet sich insbesondere an Schulen, im Studium und im Beruf, wobei der Griff zu rezeptpflichtigen Nootropika recht häufig ist. Die sind dafür jedoch nicht zugelassen und keineswegs frei von möglichen schweren Nebenwirkungen.

Deutsche Experten und Kassen sehen dieses „Gehirndoping“ mit den auch als „Smart Drugs“ bezeichneten Arzneimitteln kritisch und warnen vor einem leichtfertigen Umgang damit1.

Medikamente und natürliche Nootropika im Vergleich

Medikamente

Viele gängige Medikamente des Lifestyle-Trends sind rezeptpflichtige Psycho- und Neuropharmaka. Beispielsweise ist das Produkt Modafinil dafür vorgesehen, um bei krankhaften Gehirnstörungen das Wachsein und die Daueraufmerksamkeit zu verbessern.

Auch wenn Modafinil bei Gesunden vergleichbar positiv wirkt, bleibt die Gefahr schwerwiegender Nebenwirkungen wie Leberfunktionsstörungen, gefährlicher Hautausschläge oder Halluzinationen.

Ähnlich verhält es sich bei Piracetam, das die Gedächtnisleistung und Konzentration fördert. Hier sind Nebenwirkungen wie Nervosität, Schlafstörungen, starker Bewegungsdrang, Gewichtszunahme oder Depressionen möglich. Zudem darf es von Schwangeren und Stillenden keinesfalls genommen werden.

Andere Racetame wie Phenylpiracetam haben vergleichbare Nebenwirkungen.

Natürliche Nootropika

Im Gegensatz zu den nootropisch genutzten Medikamenten gelten die natürlichen Nootropika bei den empfohlenen Dosierungen durchweg als recht sicher und nebenwirkungsarm.

Hinzu kommt die sehr breite Palette an verfügbaren Produkten, die den individuellen Bedarf gut abdeckt. Die Spanne reicht hier von dem seit Jahrtausenden in der Heilkunde verwendeten Rosenwurz (Rhodiola Rosea) bis hin zu natürlichen Nährstoffen wie Omega-3-Fettsäuren.

Verschiedene Wirkungsgebiete von Nootropika

Da Nootropika oft mehrere Wirkgebiete überstreichen, ist eine griffige Unterteilung der Einzelwirkungen sinnvoll. Dazu dienen die nachfolgenden fünf Kategorien, die interessierte Verbraucher bei ihrer Auswahl unterstützen:

1. Auffassungsgabe, Konzentration und Entscheidungsfindung

Bei komplexen Sachverhalten gelingt es zügiger, zum Kern des Themas vorzudringen und die Zusammenhänge zu erkennen. Schwierige Entscheidungen fallen leichter und durchdachter.

2. Gedächtnisleistung

Problemloses Lernen und abrufbereites Wissen sind zwei Kernleistungen des Gehirns, die lebenslang jeder Person immer wieder abverlangt werden. Das heutige schulische, studentische und berufliche Umfeld erfordert diese Fähigkeiten mehr als je zuvor.

3. Stress, Angstgefühle und Depressionen

Kein Mensch ist völlig frei von Bedenken oder Niedergeschlagenheit. Vor allem in Prüfungssituationen, vor Präsentationen oder im Umgang mit schwierigen Schlüsselkunden kommen diese Empfindungen schnell auf.

4. Leistungsfähigkeit und Motivation

Ohne von innen heraus ausreichend Kraft und Energie zu verspüren, sind anspruchsvolle Aufgaben nur schwer zu bewältigen. Geeignete Nootropika können hier Starthilfe geben.

5. Regeneration aller Hirnstrukturen

Die notwendige Regeneration gelingt besonders gut, wenn die dazu erforderlichen Substanzen vorliegen. Hier besteht eine Hauptaufgabe darin, die Gehirnzellen von den Schadstoffen (Schlacken) zu befreien, die bei intensiver Gedächtnisarbeit entstanden sind. Parallel erfolgen notwendige Zellreparaturen.

Insgesamt sorgen Nootropika zwar zeitlich begrenzt für neuen geistigen Schwung, machen aber nicht intelligenter.

Beispiele natürlicher Nootropika

Um eine orientierende Einschätzung natürlicher Nootropika zu ermöglichen, nachfolgend einige Details zu bekannten Vertretern:

Acety-L-Carnitin

Das Acetyl-L-Carnitin ist ein körpereigener Stoff, der auch als ALCAR oder ALC abgekürzt wird. Für die Verwendung als Nootropikum wird er synthetisch hergestellt.

ALCAR spielt eine Schlüsselrolle bei der Energiegewinnung in den Körper- und Gehirnzellen. Außerdem sorgt die Substanz dafür, dass im Gehirn ausreichende Mengen des sehr wichtigen Nerven-Botenstoffs Acetylcholin entstehen, der den Informationsaustausch zwischen den Hirnzellen beschleunigt. Zusätzlich schützt ALC die Gehirnstrukturen vor den schädlichen Antioxidantien.

Diese Wirkprinzipien von Acetyl-L-Carnitin fördern die geistige Auffassungsgabe, die Konzentration und zügiges Entscheiden. Zusätzlich geben sie der körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit sowie der Motivation einen Schub, was auch Stress, Ängste und Depressionen abbaut. Insbesondere ältere Berufstätige gewinnen mit ALCAR wieder mehr geistige Spannkraft2.

Als körpereigene Substanz gilt Acetyl-L-Carinitin in der empfohlenen Dosierung als sicher und gut verträglich. Das schließt jedoch gelegentliche Nebenwirkungen wie Unruhe, Übelkeit oder Kopfschmerzen nicht ganz aus. Epileptiker sollten ALCAR nicht verwenden, da sich deren Anfallshäufigkeit erhöhen kann.

DHA

Die natürliche Substanz DHA (Docosahexaen-Säure) gehört zu den Omega-3-Fettsäuren. Sie ist vor allem in Meeresfischen wie Lachs oder Hering enthalten. Da sie der Körper in der benötigten Menge nicht selbst herstellen kann, gilt sie als lebensnotwendig (essenziell).

DHA sorgt im Gehirn dafür, dass sich stets genügend Nervenwachstumsfaktor bildet (BDNF oder Brain-Derived Neurotrophic Factor). Der ist zuständig für gesunde Hirnzellen und neue Nervenbahnen. Außerdem schützt er die Gehirnstrukturen vor Entzündungen, die bis hin zu Parkinson oder Alzheimer führen können3.

Die Folgen dieser Eigenschaften des DHA sind eine gute Gedächtnisleistung und effektive Regeneration der Hirnstrukturen.

Gelegentlich zeigen sich einfachere Nebenwirkungen wie fischartiger Nachgeschmack, Aufstoßen oder Sodbrennen.

CDP-Cholin

Das CDP-Cholin oder Citicolin ist ein Schlüsselprodukt unseres Körpers, das er aus vitaminähnlichen Nahrungsstoffen auch teilweise selbst synthetisieren kann. Er braucht es zum Aufbau und zur Reparatur von Körpergewebe jeder Art.

Im Gehirn sorgt diese Substanz für die Produktion des Nervenbotenstoffs Acetylcholin. Damit unterstützt Citicolin die rasche Auffassungsgabe und Konzentration, was insgesamt die geistige Leistungsfähigkeit und Motivation fördert4.

Bei den empfohlenen Tagesdosen gilt CDP-Cholin auch bei längerer Einnahme als gut verträglich und sicher.

Lion's Mane

Lions Mane
Lion's Mane ist ein an Laubbäumen wachsender Pilz (Hericium erinaceus). Andere Namen sind Löwenmähne und Igel-Stachelbart. In der traditionellen japanischen Heilkunde wird der Pilz für anregende Tees verwendet. Von buddhistischen Mönchen ist überliefert, dass sie den Tee für den besseren Gedankenfluss bei ihren Meditationen getrunken haben.

Als Nootropikum regt Lion's Mane über einen Nervenwachstumsfaktor (NGF oder Nerve Growth Factor) das Wachstum von Nervenzellen an, was zu besserem Gedächtnis, Lern- und Konzentrationsvermögen führt5. Zusätzlich soll der Igel-Stachelbart in ängstlichen und depressiven Phasen lindernd wirken.

Nebenwirkungen sind nahezu unbekannt.

L-Theanin

L-Theanin ist eine Aminosäure, die vor allem in grünen Tees enthalten ist.

Das L-Theanin wirkt auf die Botenstoffe Serotonin und Dopamin, die beide auch als Glückshormone bezeichnet werden. Sie bringen neuen Schwung in die Gedanken und fördern so die Leistungsfähigkeit und Motivation.

Die Substanz ist zudem bekannt für ihre angenehm beruhigende Wirkung. Das gelingt ihr über den Nervenbotenstoff GABA (Gamma-Amino-Buttersäure), der Stress, Angstgefühle und Depressionen abbaut6.

In der Nacht führt die Substanz zu einer guten Schlafqualität und sorgt so für die Regeneration der Gehirnstrukturen.

Als natürlich vorkommende Aminosäure gilt L-Theanin als unbedenklich und sicher, ist aber für Schwangere, Stillende und Kinder nicht geeignet.

Pinenrindenextrakt

Dieses Nootropikum hat auch die Bezeichnungen Kiefernrindenextrakt, Pinus Pinaster und den deutschen Handelsnamen Pycnogenol®. Die Pinienart ist im südfranzösischen Mittelmeerraum beheimatet.

Der wichtigste Inhaltsstoff sind OPCs (oligomere Procyanidine). Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die auch in vielen Nahrungsmitteln von Traubenkernen bis hin zu Rotwein enthalten sind. Sie schützen die Körperzellen vor zerstörerischen Molekülen (freien Radikalen), die auch im Stoffwechsel selbst entstehen.

Im Gehirn wehren die OPCs unerwünschte Angriffe dieser „Killerradikale“ ab und halten die Gehirnstrukturen fit. Das fördert die Auffassungsgabe und Konzentration sowie die Leistungsfähigkeit und Motivation. Die günstige Wirkung auf die Hindurchblutung unterstützt diese Effekte. Auch bei ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) ist der Rindenextrakt eine Hilfe7.

Bei regulärer Dosierung sind im Einzelfall lediglich geringe Nebenwirkungen wie Schwindel, Kopfschmerz oder Magenverstimmungen bekannt. Die langfristige Nutzung gilt als problemlos.

Rhodiola Rosea

Die Pflanze Rhodiola Rosea oder Rosenwurz kommt vorwiegend im nördlichen Asien und in Nordamerika vor. Bereits die Wikinger nutzen sie bei ihren Einsätzen, um Ausdauer und Kraft zu steigern.

Der Rosenwurz enthält wertvolle Wirksubstanzen (Glykoside), die anregend auf die Botenstoffe im Gehirn wirken und die Ausschüttung von Stresshormonen unterdrücken. Das stärkt die Leistungsfähigkeit und Motivation, baut Stress, Angstgefühle und depressive Verstimmung ab und steigert die Auffassungsgabe und Konzentration8.

Bei den empfohlenen Tagesmengen gilt der Rosenwurz als sicher. Da er stimulierend wirkt, sollte er nicht vor dem Zubettgehen eingenommen werden.

Fazit

Nootropika sind unterschiedlichste Arzneimittel und Pflanzenstoffe, die die geistige Leistungsfähigkeit steigern und die Stimmungslage bessern. Besonders beliebt sind sie heute in der Schule, bei Studenten und im Beruf.

Fachleute raten Gesunden jedoch davon ab, rezeptpflichtige Arzeimittel als Nootropika zu verwenden, da teils gravierende Nebenwirkungen möglich sind.

Wie Kaffee oder Tee können auch frei verkäufliche Nootropika wirksam helfen, den Geist wieder in Schwung zu bringen. Zu erhöhter Intelligenz tragen sie aber nicht bei.

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Über den Autor

Dr. Erwin Spiegel

Erwin ist promovierter Chemiker und arbeitet seit über 30 Jahren als geprüfter wissenschaftlicher Klinikreferent. Mit seinem großen Erfahrungsschatz ist er der richtige Ansprechpartner für schulmedizinische und pharmazeutische Fragenstellungen. Mehr Informationen zu unseren Autoren finden Sie auf der Seite Über uns