Ernährung

Wie wirksam ist Natron gegen Sodbrennen?

Natron gegen Sodbrennen

Experten schätzen, dass in Deutschland zwischen 10 und 20 Millionen Menschen von Sodbrennen geplagt werden. Einer der Hauptgründe ist der Lebensstil. Zu hastige und späte Nahrungsaufnahme, Übergewicht, fettes Essen, Alkohol, Kaffee und Nikotin zählen zu den häufigsten Ursachen.

Eines der ältesten und bekanntesten Mittel gegen Sodbrennen ist Natron. Diesem Hausmittel werden zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten zugeschrieben. Die Liste ist lang und reicht von der Verwendung für Backpulver über den Einsatz bei Feuerlöschgeräten bis hin zum Bullrichsalz.

Aber wie verträglich ist ein Mittel, dass auf derart unterschiedlichen Gebieten zum Einsatz kommt? Wie gut kann Natron gegen Sodbrennen helfen?

Ursprung des Natrons

Vor etwa 5000 Jahren war Natron nicht nur ein Küchenhelfer. Die ersten Spuren führen in das alte Ägypten zurück, wo das Gemisch vor allem als Seife zur Körperpflege, aber auch bei der Mumifizierung Verwendung fand.

Einst gewonnen aus den alkalischen Seen Ägyptens, kommt dieses Gemisch aus Soda, Natron und Salz auch heute noch in natürlicher Form vor. In den USA wird „Trona“ als natürliches Mineral für Natron aus den Salzseen gewonnen.

Verbreitung in der ganzen Welt

Lange Zeit sorgte das geheimnisvolle „Nitron der Alten“ für Verwirrungen und Verwechslungen. Mit der Zeit erschlossen sich zahlreiche positive Eigenschaften.

In seinem Werk „De Materia Medica“ empfahl der Arzt Pedanius Dioskurides, Natron als wirksames Mittel gegen Sodbrennen. Später setzte der deutsche Mediziner Christoph Schorer (1618-1671) Natron in einer medikamentösen Therapie gegen Sodbrennen ein.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Natron zu einem Industrierohstoff und wurde für die Produktion von Papier, Stoffen, Seifen und Glas verwendet.

In Europa wird mit Beginn des 21. Jahrhunderts Natron (chemisch: Natriumhydrogencarbonat) aus natürlichem Kochsalz gewonnen, beruhend auf einem speziellen Verfahren nach Ernest Solvay.

In Wasser aufgelöst, zählt Natron zu den ältesten Heilmitteln. Den zahlreichen Belegen vergangener Zeiten folgend, ist es ein natürliches Arneimittel zur Neutralisierung der Magensäure (Antazidum)

Was ist Natron?

Natron ist einer der Namen von Natrimhydrogencarbonat (chemisch: NaHCO3), welches auch unter weiteren Bezeichnungen wie Backsoda, Speisesoda, Speisenatron, Biocarbonat, Baking Soda, Natronsalz oder Natriumbicarbonat bekannt ist.

Wenn es um Küche, Haushalt, Körperpflege und Wohlbefinden geht, erweist sich Natron als Alleskönner. So zählt Natron als säurebindendes Mittel zu den bevorzugten Heilmitteln gegen einen vermehrten Säuregehalt des Magensaftes.

Backpulver oder Natron?

Beide Stoffe sind beliebte Treibmittel und werden leicht verwechselt. Sie unterscheiden sich jedoch in den säuerlichen Bestandteilen. Natron bildet als Hauptbestandteil von Backpulver die Kohlendioxidquelle. Backpulver enthält darüber hinaus Lebensmittelzusatzstoffe, Zitronensäure oder Weinsteinsäure.

Anwendung von Natron gegen Sodbrennen

Für ein besseres Verständnis lohnt sich ein Blick auf Auslöser und Ursache. Sodbrennen wird durch aufsteigende Magensäure verursacht. Diese besteht hauptsächlich aus Salzsäure und ist eine der ätzendsten Substanzen, die es in der Natur gibt.

Zerkaute Speisen dürfen die Speiseröhre passieren, während ein starker Muskel das Zurückfließen der Nahrung verhindert. Selbst wenn wir einen Kopfstand machen, bleibt die Säure dort, wo sie hin gehört.

Funktioniert dieser Muskelverschluss nicht richtig, gelangt die ätzende Magensäure nach oben und greift die Speiseröhre an1. Es kommt zu einer Übersäuerung, die wir als Sodbrennen bezeichnen.

Natron wirkt aufgrund seines hohen pH-Werts basisch und kann bei vielen Problemen helfen, welche durch Übersäuerung auftreten. Auf rasche Art lässt sich ein Völlegefühl oder unangenehmes Sodbrennen besänftigen.

Prof. Dr. Trautwein (Facharzt für innere Medizin) folgend, beginnt eine gute Verdauung stets im Mund. Ist die Funktionalität unterbrochen, können Antazida überschüssige Säure im Körper binden. Dabei puffern basische Salze die Magensäure.

Natron zählt in der Medizin zu den sogenannten Antazida. Diese bezeichnen die Eigenschaft, die Salzsäure im Magen rasch- und wirkungsvoll in gewissen Mengen neutralisieren zu können und damit Sodbrennen entgegenzuwirken.

Damit eignet sich Natron gut gegen akutes Sodbrennen, wobei jedoch die Ursachen dabei nicht behoben werden.

Schritt für Schritt Anleitung

Natron-Kur

Bei chronischem Sodbrennen kann Natron innerhalb einer Kur gegen die Symptome eingenommen werden.

  • Auf nüchternen Magen, gleich nach dem Aufstehen, einen halben Teelöffel Natron mit etwas kaltem Wasser anrühren.
  • Anschließend 250 ml heißes Wasser dazu geben.
  • Die Mischung sollte heiß sein und langsam getrunken werden.
  • Es empfiehlt sich, nach etwa 10 Minuten ein Glas kaltes Wasser mit einigen Zitronenspritzern zu trinken.
  • Nach etwa 15 Minuten kann die erste Mahlzeit des Tages eingenommen werden.
  • Mindestens eine Stunde muss vor der nächsten Mahlzeit vergangen sein, bevor eine weitere Einnahme erfolgt.
  • Die Einnahme sollte mit Pausen einhergehen und darf 10 Tage nicht überschreiten.

Im Alltag, bei Bedarf

Tritt Sodbrennen plötzlich oder unregelmäßig auf, gibt kann es auch akut behandelt werden.

  • 1 TL Natron mit 500 ml warmen Wasser verrühren. Das Natronpulver sollte komplett aufgelöst sein.
  • Nach Bedarf oder alle 2 Stunden schluckweise trinken.
  • Die Dosis auf 500 ml Wasser entspricht dem Tagesbedarf.

Der unangenehme salzige Geschmack lässt sich neutralisieren, indem man das Natron einfach pur mit einem kleinen Schluck Wasser zu sich nimmt und anschließend die entsprechende Menge klares Wasser nach trinkt. Eine Messerspitze reicht bereits als einmalige Dosis2.

Hinweise zu Nebenwirkungen

Generell ist Schwangeren, Kindern und bettlägerigen Patienten von einer Natron-Kur abzuraten. Insbesondere Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion und mit Herzproblemen sollten auf Alternativen zurückgreifen oder eine Kur nur in Absprache mit ihrem Arzt durchführen.

Mediziner betrachten eine länger andauernde Einnahme von Natron kritisch3.

Wer oft unter Sodbrennen leidet, sollte sich ohnehin von einem Arzt untersuchen lassen. Treten die Verstimmungen nur selten auf, etwa nach dem Genuss bestimmter Getränke oder Nahrungsmittel, darf man sich mit säurebindenden Mitteln selbst helfen.

Alternativen und Tipps gegen gelegentliches Sodbrennen

Neben Natron gibt es noch andere Hausmittel und Anpassungen im Lebensstil, die wirksam gegen Sodbrennen helfen.

  • Neben regelmäßigen Mahlzeiten sorgt genussvolles Essen für Stressabbau.
  • Ausreichend Schlaf und ein geregelter Tagesablauf unterstützen das Wohlbefinden.
  • Bewährt haben sich bewusste Atemübungen über das Zwerchfell.
  • Heilerde ist ebenfalls in der Lage, Magensäure zu binden.
  • Nikotin und Alkohol meiden.
  • Die Magensäure fließt langsamer in die Speiseröhre, wenn man auf der linken Seite schläft.

Fazit

Bei der Selbstmedikation mit einzelnen Stoffen ist immer Vorsicht geboten. Die Einnahme von großen Mengen kann gefährliche Nebenwirkungen hervorrufen. Paracelsus sagte einst: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei.“

In ihrem Buch „Natron – Das Milieu ist Alles“ untermauert Christine Wahler diese Feststellung hinsichtlich Natron4.

Richtig eingenommen, kann Natron über wenige Stunden den Säuregehalt reduzieren und wohltuende Erleichterung verschaffen. Dennoch bleibt es ein symptomatisches Heilmittel, dass die Erscheinung verringert, jedoch nicht die Ursache behebt.

Quellenverzeichnis
[1] „Hauptsache gesund“ Franziska Rubin/Karin Schutt
[2] Fachzeitschrift Gesundheit „Porta Vitalia“ Juli 2015
[3] „Nie wieder Sodbrennen: Reflux verstehen und in den Griff bekommen“ Martin Riegler/Karin Hönig-Robier
[4] „Natron – Das Milieu ist Alles“ Christine Wahler
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