Familie Nahrungsergänzung

Sind Nahrungsergänzungsmittel für Kinder sinnvoll?

Nahrungsergänzungsmittel für Kinder

Immer wieder hört man, wie wichtig Nährstoffe für die Gesundheit sind. Besonders Kinder benötigen Vitamine und Mineralstoffe für eine gesunde Entwicklung. Viele Eltern fragen sich daher, ob ihr Kind ausreichend Nährstoffe zu sich nimmt.

Diese Frage ist durchaus berechtigt, denn auch in Deutschland ist bei einigen Kindern ein Mangel oder zumindest eine Unterversorgung mit bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen zu beobachten.

Nahrungsergänzungsmittel für Kinder, die eine ausreichende Zufuhr mit diesen Nährstoffen versprechen, scheinen da eine einfache und sichere Möglichkeit zu sein, die Gesundheit seines Kindes optimal zu unterstützen. Doch sind Nahrungsergänzungsmittel für Kinder wirklich notwendig?

Nährstoffe

Neben Kohlehydraten, Fetten, Proteinen und Wasser zählen vor allem Vitamine und Mineralstoffe zu den für den Körper notwendigen Nährstoffen. Im Organismus erfüllen sie unterschiedliche Funktionen und tragen so zur Gesundheit und zum Wohlbefinden bei. Da der Körper Vitamine und Mineralstoffe überwiegend nicht selbst herstellen kann, werden diese Nährstoffe durch die Nahrung aufgenommen.

Vitamine

Es gibt insgesamt 13 verschiedene Vitamine, die der Körper unter anderem für den Stoffwechsel, für ein gesundes Wachstum, für die Knochen und für die normale Funktion des Immunsystems benötigt. Vitamine kommen sowohl in tierischen Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch, Eiern und Milchprodukten vor als auch in Gemüse, Obst, Nüssen, Hülsenfrüchten oder Getreide. Eine Ausnahme bildet das Vitamin D, welches zudem bei Sonneneinstrahlung vom Körper selbst gebildet wird.

Um ein Kind ausreichend mit den verschiedenen Vitaminen zu versorgen, sollten Eltern daher auf eine ausgewogene Mischkost in Kombination mit einem häufigen Aufenthalt im Freien achten.

Mineralstoffe

Nicht weniger wichtig als Vitamine sind Mineralstoffe, die der Körper als Mengenelement oder als Spurenelement benötigt. Mineralstoffe sind ebenso für den Stoffwechsel mitverantwortlich, fungieren im Körper aber auch als Bausteine und sorgen so für den Erhalt gesunder Zähne und Knochen.

Zu den Mineralstoffen, die Kinder für eine gesunde Entwicklung in ausreichender Menge über die Nahrung aufnehmen müssen, gehören unter anderem Kalzium, Magnesium, Eisen, Jod und Zink. Manche Mineralstoffe können vom Körper nur gut aufgenommen werden, wenn sie mit bestimmten Vitaminen kombiniert werden. So ist Eisen beispielsweise vor allem bei gleichzeitiger Gabe von Vitamin C im Körper verfügbar.

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren gehören zu den essentiellen Fettsäuren, die der Körper ebenfalls benötigt. Es handelt sich hier um die sogenannten „guten Fette“, die nicht dick machen, sondern dem Körper helfen, fit und gesund zu bleiben. Werden zu wenig essentielle Fettsäuren aufgenommen, kann sich dies zum Beispiel in einer Muskel- oder Sehschwäche oder in anhaltender Müdigkeit bemerkbar machen.

Nährstoffmangel

Wie kann es überhaupt zu einem Nährstoffmangel kommen?

Oft ist es nicht leicht, Kinder gesund zu ernähren. Eltern kennen das: Das Gemüse wird auf dem Teller aussortiert, das helle Brötchen wird dem Vollkornbrötchen vorgezogen und am liebsten mag das Kind ohnehin den süßen Nachtisch. Da Süßigkeiten, Fast-Food und Weißmehlprodukte jedoch wenig gesunde Nährstoffe enthalten, droht bei einer einseitigen Ernährung schnell eine Unterversorgung.

Aber auch wenn bestimmte Nahrungsmittel in der Ernährung fehlen, werden einige Nährstoffe nicht in ausreichendem Maße aufgenommen. Vegetarier und Veganer müssen zum Beispiel speziell auf Vitamin B12, sowie auf die Mineralstoffe Zink und Eisen achten. Kinder, bei denen Fisch nicht auf dem Speiseplan steht, sollten auf andere Weise mit Omega-3-Fettsäuren versorgt werden.

Hinzu kommt, dass die industrielle Verarbeitung den Lebensmitteln viele Nährstoffe entzieht und die Böden aufgrund der Bearbeitung mit Düngemitteln nicht mehr so viele Mineralstoffe enthalten, welche üblicherweise vom Boden in das Getreide und damit in unsere Nahrung übergehen.

Wenn man an das sogenannte Sonnenvitamin (Vitamin D) denkt, dann trägt unsere heutige Lebensweise dazu bei, dass auch hier eine Unterversorgung droht. Schon Kinder halten sich oft den überwiegenden Teil des Tages in Gebäuden auf, sei es in der Schule oder vor dem Fernseher oder Computer zu Hause.

Nährstoffmangel bei Kindern in Deutschland

Die EsKiMo-Studie (Ernährungsstudie als KiGGS-Modul) des Robert-Koch-Instituts und der Universität Paderborn kommt zu dem Schluss, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland überwiegend gut mit den meisten Nährstoffen versorgt sind. Es gibt jedoch einige wichtige Ausnahmen1:

Folat

Folsäure ist unter anderem wichtig für das Immunsystem. Es ist in Kohl- und Blattgemüse enthalten, welches von Kindern und Jugendlichen in nicht ausreichendem Maße verzehrt wird. In allen Altersgruppen ist daher eine Unterversorgung festzustellen.

Vitamin D

Vitamin D trägt zur Aufnahme und Verwertung von Kalzium bei und sorgt für die Erhaltung von Zähnen, Knochen und für eine normale Muskelfunktion. Auch dieses wird in allen Altersgruppen nicht ausreichend aufgenommen, weder durch die Ernährung noch durch die notwendige Sonneneinstrahlung.

Jod

Auch bei Jod, welches für einen gesunden Stoffwechsel verantwortlich ist, ist eine Unterversorgung festzustellen, die jedoch teilweise durch jodiertes Speisesalz ausgeglichen wird. Jod ist vor allem in Seefisch enthalten.

Die Daten der EsKiMo-Studie zeigen, dass jedoch gerade Fisch eines der Lebensmittel ist, das von Kindern und vor allem von Jugendlichen nicht in ausreichendem Maße konsumiert wird. Die empfohlene Menge an Fisch wird hier nur von 2 % der Jungen und von 21% der Mädchen erreicht. Fisch enthält neben Jod auch Vitamin B12, Vitamin D, Kalium, Zink und Fluor.

Eisen

Eisen ist für den Sauerstofftransport im Körper verantwortlich und trägt zur Bildung von roten Blutkörperchen und zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Insbesondere bei Mädchen im Jugendalter zeigt sich eine Unterversorgung mit Eisen.

Dies ist damit zu erklären, dass der Bedarf an diesem Mineralstoff bei Mädchen ab dem Einsetzen der Menstruation durch den monatlichen Blutverlust etwas höher ist. Aber auch Diäten können dafür verantwortlich sein, dass Eisen nicht ausreichend über die Nahrung aufgenommen wird.

Kalzium

Kalzium hat vielerlei Funktionen im Körper. Unter anderem trägt es zur Blutgerinnung, zum Energiestoffwechsel und zu einer normalen Muskelfunktion bei. Aber auch für die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen und für eine normale Verdauung ist es mitverantwortlich.

Für den Aufbau von Knochen und Zähne ist Kalzium unerlässlich. Auch bei diesem Nährstoff ist bei Kindern im Alter von 7 – 11 Jahren ein Mangel in der Zufuhr festzustellen.

Vitamin A

Vitamin A ist wichtig für das Immunsystem, für die Haut und die Schleimhäute. Es ist unter anderem in Milch, Karotten und Spinat enthalten. Hier wurde vor allem bei 6- bis 11-jährigen Mädchen eine Unterversorgung festgestellt.

Vitamin E

Hier ist die Gruppe der 6- bis 11-jährigen Kinder ebenfalls von einer nicht ausreichenden Zufuhr betroffen, in diesem Fall auch Jungen. Nüsse und Olivenöl sind gute Lieferanten für dieses Vitamin, welches dazu beiträgt, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.

Nahrungsergänzungsmittel für Kinder

Mineralstoffe für Kinder
Nahrungsergänzungsmittel für Kinder enthalten oft eine Mischung aus verschiedenen Vitaminen, Mineralstoffen und Omega-3-Fettsäuren. Auf diese Weise soll einem Mangel an Nährstoffen vorgebeugt oder ein vorhandener Mangel ausgeglichen werden. Nahrungsergänzungsmittel für Kinder werden in den unterschiedlichsten Darreichungsformen angeboten. So sind neben Kau- und Lutschtabletten auch bunte Fruchtgummis, wohlschmeckende Säfte, Sirups oder Milch-Shakes erhältlich.

Wenn ein Kind nachgewiesenermaßen an einem Nährstoffmangel leidet, können Nahrungsergänzungsmittel eine sinnvolle Möglichkeit darstellen, diesen Mangel zu beheben und leere Speicher wieder aufzufüllen, um eine gesunde Entwicklung zu gewährleisten.

Allerdings birgt die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln auch Gefahren. Bei einer Überdosierung von bestimmten Nährstoffen drohen verschiedene Beschwerden wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder auch ernsthafte Erkrankungen.

Für verschiedene Vitamine und Mineralstoffe wie Kalzium, Eisen oder Kupfer werden hier vom Bundesinstitut für Risikobewertung auch Höchstwerte vorgeschlagen, die von Nahrungsergänzungsmitteln eingehalten werden sollten2.

Aus diesem Grund sollten Eltern folgende Punkte beachten, bevor sie ihrem Kind Nahrungsergänzungsmittel verabreichen:

  • Geben Sie Ihrem Kind keine Nahrungsergänzungsmittel, nur weil Sie in der Werbung oder von Bekannten von den positiven Auswirkungen gehört haben.
  • Wenn Sie einen Nährstoffmangel bei Ihrem Kind vermuten, besprechen Sie dies zunächst mit dem Kinderarzt oder dem Hausarzt.
  • Lassen Sie gegebenenfalls eine entsprechende Blutuntersuchung durchführen, um festzustellen, welcher Nährstoff Ihrem Kind überhaupt fehlt.
  • Achten Sie auf die Zusammensetzung des Nahrungsergänzungsmittels, welches Sie Ihrem Kind geben wollen. Oftmals ist es eine Kombination aus mehreren Nährstoffen. Viele davon benötigt Ihr Kind möglicherweise überhaupt nicht. Auch auf künstliche Zusatzstoffe, die unnötig sind, sollten Sie achten.
  • Kaufen Sie nur Nahrungsergänzungsmittel von vertrauenswürdigen Herstellern.
  • Achten Sie auf die Packungsbeilage und geben Sie Ihrem Kind die Nahrungsergänzungsmittel entsprechend der Altersempfehlung. Eine Überdosierung kann unerwünschte Nebenwirkungen haben.

Fazit

Ein Mangel an Nährstoffen in den meisten Fällen durch eine einseitige oder falsche Ernährung bedingt. Mit einer Ernährungsumstellung kann man daher schon viel erreichen. Gewöhnen Sie Ihr Kind daher von Anfang an an gesunde Nahrungsmittel und seien Sie als Eltern Vorbild.

Kochen Sie nach kindgerechten Rezepten, die in entsprechenden Kochbüchern oder auch im Internet zu finden sind. Hier sind auch Tipps und Anregungen zu finden, wie die Lebensmittel so zubereitet werden können, dass sie für Kinder optisch attraktiv sind, denn schließlich isst das Auge ja mit! Auf diese Weise können Sie in der Regel eine gute Versorgung mit allen Nährstoffen sicherstellen.

Da Vitamine und Mineralstoffe jedoch gerade bei Kindern im Wachstum so wichtig für eine gesunde Entwicklung sind, kann bei einem nachgewiesenen Mangel ein Nahrungsergänzungsmittel nach Absprache mit dem Arzt sinnvoll sein. Wählen Sie das Nahrungsergänzungsmittel jedoch stets sorgfältig aus und sehen Sie es nicht als Dauerlösung an.

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Über den Autor

Anjana Greco

Anjana ist Diplom-Sozialpädagogin (FH) und Sonderpädagogin (Magister Artium, Univ.) und interessiert sich persönlich für alternative Heilkunde, Ernährung und Yoga. Ihre Erfahrung bringt sie bei sämtlichen Themen im Bereich Kinder und Familie ein. Mehr Informationen zu unseren Autoren finden Sie auf der Seite Über uns

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