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Was passiert beim Meditieren im Gehirn?

Was passiert beim Meditieren im Gehirn

Es ist kein Geheimnis, dass sich Menschen nach der Meditation meist ruhiger, gelassener und zufriedener fühlen. Besonders durch eine regelmäßige Meditationspraxis kann man sein Leben nachhaltig positiv beeinflussen.

Doch erst seit wenigen Jahren ist es tatsächlich möglich, diese Veränderungen auch wissenschaftlich weiter zu verfolgen. Was passiert im Gehirn während man meditiert und welche langfristigen Auswirkungen hat das?

Wie die Wissenschaft helfen kann

Wer selbst meditiert, muss nicht mehr von der Wirkung überzeugt werden. Um die zugrundeliegenden Prozesse besser zu verstehen und Meditation in der modernen Welt weiter zu etablieren, können Neurologie und weitere naturwissenschaftliche Richtungen sinnvolle Partner sein.

Durch die Einführung der funktionellen Magnet Resonanz Tomographie (fMRT) in klinischen Studien wurde es möglich, Prozesse im Gehirn in Echtzeit zu beobachten. Kurz gesagt zeigt dieses Verfahren die Aktivität in verschiedenen Gehirnregionen an und stellt damit ein wichtiges Hilfsmittel dar. Aber auch sehr hochauflösende, strukturelle Aufnahmen des Gehirns sind durch MRT möglich.

Gehirnaktivitäten beim Meditieren

Durch Meditation ändern sich nicht nur die Prozesse im Gehirn, wir können durch die Praxis sogar eine aktive Rolle einnehmen, um unser Gehirn zu ändern.

Die größte Änderung, die während dem Meditieren auftritt, ist die allgemeine Reduzierung der Aktivität von Beta-Wellen. Diese werden gemessen, um Informationsprozesse im Gehirn zu vergleichen. Im Verlauf einer Meditation verringert sich die Menge an Informationen, die gleichzeitig verarbeitet werden. Das Gehirn schaltet also auf einen Sparmodus und bekommt etwas Ruhe.

Dabei sind bestimmte Gehirnareale besonders stark betroffen1. Der Frontallappen ist für die Planung, Selbstwahrnehmung, Emotionen und logisches Denken zuständig. Diese Gehirnregion zeigt während eine Meditation fast keine Aktivität mehr.

Um Sinnesinformationen zu verarbeiten und uns räumlich und zeitlich zu orientieren, haben wir den Parietallappen. Auch diese Region ist weniger aktiv.

Der Thalamus entscheidet, welche Sinnesinformationen weiter im Gehirn verarbeitet werden und welche ignoriert werden sollen. Während der Meditation wird die Menge der einkommenden Informationen stark reduziert.

Damit wir schnell auf unsere Umwelt reagieren können, wertet die Retikulärformation äußere Impulse aus und versetzt das Gehirn in Alarmbereitschaft. Beim Meditieren werden diese Warnsignale reduziert.

Neben den persönlichen Nutzen einer Meditationspraxis hat diese aus neurologischer Sicht also vor allem eine Auswirkung: wir entspannen nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Unser Gehirn läuft nicht ständig auf Hochtouren, sondern bekommt auch wichtige Ruhephasen. Nicht umsonst fühlt man sich nach einer Meditation ausgeruht und erfrischt.

Langzeitveränderungen im Gehirn

Die Auswirkungen treten aber nicht nur kurzzeitig während der Meditation auf. Auch langfristig können mittlerweile sowohl funktionelle als auch strukturelle Anpassungsvorgänge im Gehirn gemessen werden.

Bereits nach einer achtwöchigen Praxis einer Achtsamkeitsmeditation können Veränderungen in verschiedenen Gehirnarealen nachgewiesen werden. Eine Studie, die am Massachusetts General Hospital durchgeführt wurde, konnte subjektive Verbesserungen der Teilnehmer neurologisch auch mithilfe von MRT Aufnahmen bestätigen.

So konnte im Vergleich zum Ausgangszustand eine höhere Dichte an grauer Materie im Hippocampus und anderen, speziellen Gehirnregionen nachgewiesen werden1. Diese Bereiche sind wichtig für Lern- und Gedächtnisprozesse, aber auch für die Selbstwahrnehmung und Mitgefühl.

Verschiedene Effekte zeigen sich vor allem auch bei Menschen mit langjähriger Meditationserfahrung. Durch Alterungsprozesse verliert beispielsweise unser Präfrontaler Cortex im Erwachsenenalter zunehmend an Volumen. Diese Gehirnregion ist für die Bildung von Erinnerungen zuständig und nach aktuellem Erkenntnisstand dafür verantworlich, dass man mit fortschreitendem Alter vergesslicher wird.

In drei verschiedenen Studien wurden Teilnehmer mit ausgeprägter Meditationspraxis und eine Kontrollgruppe ohne Meditationshintergrund verglichen. Während die Kontrollgruppe ab einem Alter von 20 Jahren mit abnehmender Gehirnmasse in verschiedenen Bereichen des Präfrontralen Cortex rechnen musste, konnten die Alterungsprozesse durch Meditation scheinbar verlangsamt oder sogar verhindert werden.

Die Dicke dieser Teile waren bei Meditierenden im Alter von 40-50 Jahren vergleichbar groß wie bei 20-30 Jährigen2,3. Eine dieser Studien konnte zusätzlich eine geringere Schmerzempfindlichkeit von Personen mit Erfahrung der Zen-Meditation nachweisen4.

Fazit

Für die meisten Leser wird es nicht verwunderlich sein, dass sich Meditation positiv auf die Gehirnaktivitäten auswirkt und Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Selbstwahrnehmung und Mitgefühl sogar dauerhaft ausbildet. Nicht umsonst findet man in vielen Kulturen über tausende von Jahren verschiedene Meditationsarten.

Heutzutage haben wir den großen Vorteil, mithilfe der Naturwissenschaft nicht nur die Auswirkungen, sondern die grundlegenden Vorgänge im Körper messen zu können. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es bereits hunderte Veröffentlichungen und Studien und auch in der Zukunft wird die Meditation ein interessantes Thema für die Wissenschaften bleiben.

Es besteht die Hoffnung, dass durch neue, wissenschaftliche Erkenntnisse das Interesse von mehr Menschen in der westlichen Welt geweckt wird, damit auch sie vom vielfältigen Nutzen profitieren können.

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Über den Autor

Patrick Remmels

Patrick ist Naturwissenschaftler und an körperlicher Gesundheit und persönlicher Weiterentwicklung interessiert. Bei Vital Fit & Gesund kümmert er sich darum, den Onlineauftritt aktuell zu halten und um die Kommunikation mit unser LeserInnen. Mehr Informationen zu unserem Team finden Sie auf der Seite Über uns

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