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Warum brauchen Kinder Zink?

Warum brauchen Kinder Zink

Nach dem Metall Eisen stellt Zink das zweithäufigste Spurenelement im menschlichen Körper dar. Der lebenswichtige Mineralstoff ist an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt und spielt eine entscheidende Rolle für das Wachstum von Kindern.

In Ländern der Dritten Welt hat ein ausgeprägter Zinkmangel nicht selten tödliche Folgen. Aktuelle wissenschaftliche Forschungsergebnisse belegen, dass auch in Deutschland fast ein Drittel der männlichen Bevölkerung nicht genügend Zink über die Ernährung aufnimmt. Dank der besseren medizinischen Versorgung wirkt sich das Defizit nicht so dramatisch aus wie in Entwicklungsländern.

Zink – was ist das?

Der Mineralstoff Zink zählt zu den lebensnotwendigen Spurenelementen, die wir mit der Nahrung täglich zuführen müssen. Unser Körper kann bis zu vier Gramm speichern, sodass eine kurzzeitige Unterversorgung keine negativen Folgen hat.

Größere Mengen an Zink kommen in Meeresfrüchten, Leber, Käse, Hülsenfrüchten und Nüssen vor. Da die meisten dieser Lebensmittel nicht unbedingt zu den Lieblingsspeisen von Kindern gehören, lässt sich der tägliche Zinkbedarf oft nur schwer über die Mahlzeiten decken.

Welche Funktion übt Zink im menschlichen Organismus aus?

Als wesentlicher Bestandteil von mehr als 300 Enzymen und über 1000 Transkriptionsfaktoren1 spielt Zink eine Schlüsselrolle beim Aufbau unserer Erbsubstanz (DNA). Darüber hinaus ist das vielseitige Spurenelement unentbehrlich für den reibungslosen Ablauf des Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsels2.

Da Zink an zahlreichen körpereigenen Prozessen teilnimmt, wirkt sich die zusätzliche Gabe eines Nahrungsergänzungsmittels positiv auf verschiedene Bereiche unseres Organismus aus. In mehreren Studien konnten unter anderem folgende Wirkungen nachgewiesen werden:

Auswirkung von Zink auf unseren Körper

  • stärkt das Immunsystem auf natürliche Weise3
  • hält chronische Entzündungen in Schach und lindert die Beschwerden bei Autoimmunerkrankungen4 5
  • hemmt das Wachstum krankmachender Bakterienstämme6
  • verhindert als Antioxidans die Bildung von gefährlichen freien Radikalen (sogenannten Lipidperoxiden)7
  • beschleunigt die Wundheilung8
  • hebt die Stimmung und vermindert die Folgen von übermäßigem Stress9
  • verbessert bei Kindern die Schlafqualität10
  • stärkt die Knochen und kann Herzkrankheiten vorbeugen11 12
  • steigert die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen13 14
  • wirkt Ermüdungserscheinungen entgegen und ermöglicht bessere sportliche Leistungen15 16

Zink – ein wichtiges Spurenelement bei der Entwicklung von Kindern

Für ungeborene Kinder ist eine optimale Versorgung mit Zink über den Blutkreislauf der Mutter lebensnotwendig. Unter anderem benötigt der Fötus das wertvolle Spurenelement für die Entwicklung des zentralen Nervensystems (Gehirn, Rückenmark) und der Hormone.

Kinder, die in der Schwangerschaft nicht genügend Zink erhalten, sind bei der Geburt kleiner und schmächtiger17. Ausreichend hohe Zinkspiegel im Blut der werdenden Mutter verringern das Risiko einer Frühgeburt und stellen die gesunde Entwicklung aller Organe des Embryos sicher18.

Forscher des Agrarministeriums der USA präsentierten 2005 auf einer Konferenz der amerikanischen Gesellschaft für Ernährungswissenschaften im kalifornischen San Diego eine Studie mit 200 Jugendlichen im Alter von 12 bis 13 Jahren. Die Wissenschaftler wiesen nach, dass die Gabe von 10 bis 20 Milligramm Zink pro Tag die Konzentrationsfähigkeit und die Gedächtnisleistung der Studienteilnehmer deutlich verbessern konnte19.

Niedrige Zinkkonzentrationen im Blut hingegen begünstigen das Auftreten von ADHS bei Kindern20.

Zinkmangel ist in Deutschland weit verbreitet

In deutschsprachigen Ländern erstellt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Richtlinien für die Aufnahme von Mineralstoffen und Vitaminen aus der Nahrung. Als Referenzwerte gelten folgende Tagesdosen des Spurenelements Zink:

Altersabhängige Referenzwerte für Zink21

  • bis 4 Monate: 1 mg
  • 4 bis 12 Monate: 2 mg
  • 1 bis 4 Jahre: 3 mg
  • 4 bis 7 Jahre: 5 mg
  • 7 bis 10 Jahre: 7 mg
  • 10 bis 13 Jahre: 9 mg (Jungen), 7 mg (Mädchen)
  • 13 bis 15 Jahre: 9,5 mg (Jungen), 7 mg (Mädchen)
  • 15 bis 19 Jahre: 10 mg (männlich), 7 mg (weiblich)
  • Erwachsene: 10 mg (männlich), 7 mg (weiblich)
  • Schwangere: 10 mg
  • stillende Mütter: 11 mg

Im Jahr 2008 führte das Max Rubner-Institut aus Karlsruhe eine umfassende wissenschaftliche Studie in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. Das Ziel der Forscher bestand darin, die gesamte Ernährungssituation zu ermitteln, und eine Unterversorgung mit Nähr- und Vitalstoffen frühzeitig zu entdecken.

Das Ergebnis der sogenannten Nationalen Verzehrstudie II erwies sich für das Spurenelement Zink als ernüchternd: Jeder dritte Mann (32,3 %) und jede fünfte Frau (21 %) erreichen in deutschsprachigen Ländern nicht die von der DGE empfohlenen Mindestmengen.

Bei den Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren sieht die Lage kaum besser aus: 28 Prozent der Mädchen und 29,4 Prozent der Jungen leiden an einem unerkannten Zinkmangel22.

Welche Beschwerden treten bei einem Zinkdefizit auf?

Eine Unterversorgung mit Zink äußert sich zunächst durch allgemeine, unspezifische Symptome, die oft unerkannt bleiben. Dazu zählen Antriebsschwäche, Müdigkeit, Appetitverlust, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwäche, erhöhte Infektneigung, schlechte Wundheilung, Pilzinfektionen (Fußpilz), Haarausfall und brüchige Fingernägel.

Bei Kindern kann es zu einer Beeinträchtigung des Wachstums und zu Entwicklungsstörungen kommen23.

Wie lässt sich ein Defizit an Zink verhindern?

Eine große Zahl an Nahrungsmitteln enthält Zink. Als beste Quellen für das lebenswichtige Spurenelement gelten Meeresfrüchte, Schweineleber, Rindfleisch und Milchprodukte. In Getreide, Hülsenfrüchten und Vollkornbroten sind größere Mengen sogenannter Phytate enthalten.

Lebensmittel mit Zink
Diese Ballaststoffe binden Zink sowie andere Mineralien und verschlechtern deren Aufnahme im Darm. Somit ist die Bioverfügbarkeit des wertvollen Spurenelements aus pflanzlichen Lebensmitteln geringer als bei Produkten tierischen Ursprungs24.

Ob diese Tatsache praktische Auswirkungen auf den Zink-Status des Körpers bei Vegetariern und Veganer hat, wird bis heute unter Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. Die meisten Ernährungsexperten gehen davon aus, dass andere Pflanzenbestandteile die unerwünschte Wirkung der Phytate abschwächen können.

Unter anderem ist Vitamin C in der Lage, die Behinderung der Aufnahme von Eisen aus der Nahrung durch die Phytate rückgängig zu machen25. Alle nachfolgend aufgelisteten Lebensmittel sind gut dazu geeignet, den Tagesbedarf an Zink zu decken. Die angegebenen Werte in Milligramm beziehen sich auf 100 Gramm der pflanzlichen oder tierischen Produkte.

Zinkreiche Nahrungsmittel26 27 28

  • Austern (bis zu 91 mg)
  • Meeresfrüchte (bis zu 7,6 mg)
  • Schweineleber (6,35 mg)
  • Emmentaler Käse (4,63 mg)
  • Rindfleisch (4,41 mg)
  • Sojabohnen (4,18)
  • Haferflocken (4,06 mg)
  • Paranüsse (4 mg)
  • Gouda Käse (3,9 mg)
  • Linsen (3,73 mg)
  • Weizenmischbrot (3,5 mg)
  • Knäckebrot (3,1 mg)
  • Erdnüsse (3,07 mg)
  • Moringa oleifera (2,88 mg)
  • Walnüsse (2,7 mg)

Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren müssten jeden Tag 200 Gramm Rindfleisch und 50 Gramm Käse mit Vollkorn- oder Weizenmischbrot verzehren, um die Referenzwerte der DGE sicher zu erreichen. Alternativ genügt ein Müsli mit 200 Gramm Haferflocken und 50 Gramm Erdnüssen.

Da die zinkhaltigen Lebensmittel nicht besonders abwechslungsreich sind, haben die meisten Menschen Schwierigkeiten, diese Art der Ernährung über längere Zeit durchzuhalten. Um einem Mangel vorzubeugen, raten deshalb viele Heilpraktiker und Ärzte mit Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren, jeden Tag 10 Milligramm Zink über ein Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen.

Bei Kindern unter 10 Jahren ist die Dosierung entsprechend geringer. Vor allem Schwangeren und stillende Frauen legen Therapeuten dringend eine Nahrungsergänzung mit Zink ans Herz.

Fazit

Aufgrund seiner vielseitigen Wirkung ist Zink für unseren Organismus unentbehrlich. Das wertvolle Spurenelement reguliert das Immunsystem und sorgt für die gesunde körperliche und geistige Entwicklung von Kindern.

Vor allem Meeresfrüchte, Leber, Rindfleisch, Nüsse und verschiedene Käsesorten sind reich an Zink. Wer nicht regelmäßig größere Mengen dieser Lebensmittel verzehrt, sollte zusätzlich ein Nahrungsergänzungsmittel verwenden.

Diese Empfehlung gilt besonders für Schwangere, stillende Mütter, Vegetarier, Veganer, Menschen mit Magen-Darm-Erkrankungen und Personen, die regelmäßig Alkohol konsumieren. Mehrere klinische Studien konnten zeigen, dass auch Kinder und Jugendliche von einer zusätzlichen Nahrungsergänzung mit Zink profitieren.

Quellenverzeichnis
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[19] https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/zink-macht-jugendliche-geistig-fit/
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[22] Max Rubner-Institut. Ergebnisbericht Teil 2 Nationale Verzehrstudie II 2008: Tab. A. 53, Seite 264.
[23] King JC et al. Biomarkers of Nutrition for Development (BOND)-Zinc Review. J Nutr. 2016 Apr;146(4):858S–885S.
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[25] http://www.ernaehrung-fuer-gesundheit.de/sek-Pflanzenstoff/Phytat.html
[26] U.S. Department of Agriculture, Agricultural Research Service 2011. USDA Food Composition Databases, Nutrient Search Zinc.
[27] http://www.vitalstoff-lexikon.de/Spurenelemente/Zink/Lebensmittel.html
[28] Simonsohn B. Moringa – Der essbare Wunderbaum. Kris-Verlag 1. Auflage 2014, Seite 20.
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Über den Autor

Dr. Jochen G. Opitz

Jochen ist Biochemiker, Doktor der Naturwissenschaften und arbeitet seit 18 Jahren als Heilpraktiker in eigener Praxis. Durch seine Ausbildung und Erfahrung schreibt er für unsere Leser sowohl aus Sicht der Naturheilkunde als auch der westlichen Medizin. Mehr Informationen zu unseren Autoren finden Sie auf der Seite Über uns