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Warum brauchen Kinder Vitamin E?

Kinder Vitamin E

Als kraftvolles Antioxidans ist Vitamin E an der körperlichen und geistigen Entwicklung von Kindern maßgeblich beteiligt. Da der wertvolle Nährstoff den Alterungsprozess bremst, bezeichnen viele Männer und Frauen in den besten Jahren Vitamin E als wahren Jungbrunnen.

Nach Angaben von Ärzten und Ernährungswissenschaftlern kommt ein Mangel in westlichen Industrieländern nicht vor. Umso erstaunlicher sind die Ergebnisse einer Studie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Demnach gelingt es fast der Hälfte der deutschen Bevölkerung nicht, den täglichen Bedarf an Vitamin E mit Lebensmitteln zu decken.

Vitamin E – was ist das?

Im Jahr 1922 wiesen amerikanische Forscher einen bis dahin unbekannten Faktor im Blut von Mäusen nach, der für die Schwangerschaft weiblicher Tiere verantwortlich ist1. In den nachfolgenden Jahren wurde das Biomolekül aus pflanzlichen Quellen isoliert und als Vitamin erkannt. Nach den Vitaminen A, B, C und D erhielt der neu entdeckte Vitalstoff die Bezeichnung Vitamin E.

Viele Menschen setzen Vitamin E mit Alpha-Tocopherol gleich. Neuere wissenschaftliche Forschungsarbeiten zeigen, dass dieses Biomolekül zu einer Gruppe von insgesamt 16 ähnlichen Verbindungen gehört, die vier Familien zugeordnet werden: Tocopherole, Tocomonoenole (T1), marine Tocopherole (MDT) und Tocotrienole (T3).

Sie sind alle fettlöslich, unterscheiden sich jedoch in ihren biochemischen Eigenschaften. Zu den besten Vitamin-E-Lieferanten zählen Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Mandeln, Mehrkornmüsli sowie die frischen oder getrockneten Blätter des Wunderbaums Moringa oleifera

Funktion von Vitamin E im menschlichen Körper

Die Mitglieder der Vitamin-E-Familie stellen wirkungsvolle Antioxidantien dar. Sie bekämpfen gefährliche freie Radikale, die durch Umwelteinflüsse oder bei körpereigenen Stoffwechselvorgängen entstehen. Als Bestandteil der Zellmembranen schützt Vitamin E unsere Organe und Gewebe vor der zerstörerischen Kraft dieser hochreaktiven Teilchen.

Im Blut verhindert der lebenswichtige Nährstoff eine Oxidation von LDL, das umgangssprachlich auch als schlechtes Cholesterin bezeichnet wird. Oxidiertes LDL gilt als einer der wesentlichen Risikofaktoren für die Entstehung von Arteriosklerose2.

Darüber hinaus beeinflusst der Vitamin-E-Spiegel die Blutgerinnung und wirkt somit der Bildung von Blutgerinnseln3 entgegen. Der vielseitige Nährstoff nimmt noch zahlreiche weitere Aufgaben in unserem Organismus wahr.

Vitamin E

  • stärkt das Immunsystem4 und kontrolliert Entzündungsreaktionen5
  • verringert das Risiko von Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes)6
  • bekämpft Krebszellen7
  • schützt das Gehirn und beugt im Alter einer frühzeitigen Einschränkung der geistigen Fähigkeiten vor8
  • hilft bei Männern und Frauen gegen Unfruchtbarkeit9 10
  • sorgt für eine gesunde, junge Haut11

Vitamin-E-Mangel bei Kindern

In deutschsprachigen Ländern legt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) fest, welche Mengen an Nährstoffen durchschnittlich pro Tag verzehrt werden sollen. Die Referenzwerte bilden die untere Grenze, die bei gesunden Menschen einen Mangel verhindert. Für Vitamin E gibt die DGE folgende Dosierungen an:

Vitamin-E-Referenzwerte abhängig vom Lebensalter12

  • bis 4 Monate: 3 mg
  • 4 – 12 Monate: 4 mg (0 – 12 Monate über die Muttermilch)
  • 1 – 4 Jahre: 6 mg (Jungen), 5 mg (Mädchen)
  • 4 – 7 Jahre: 8 mg
  • 7 – 10 Jahre: 10 mg (Jungen), 9 mg (Mädchen)
  • 10 – 13 Jahre: 13 mg (Jungen), 11 mg (Mädchen)
  • 13 – 15 Jahre: 14 mg (Jungen), 12 mg (Mädchen)
  • 15 – 19 Jahre: 15 mg (männlich), 12 mg (weiblich)
  • Erwachsene: bis 15 mg (männlich), bis 12 mg (weiblich)
  • Schwangere: 13 mg
  • stillende Mütter: 15 mg

Als fettlösliches Biomolekül wird Vitamin E vor allem in den Nebennieren, der Leber, den Muskeln und dem Fettgewebe gespeichert. Die meisten Ärzte und Gesundheitsexperten sind sich sicher, dass ein Defizit bei einer normalen Ernährung praktisch nicht vorkommt.

Die Nationale Verzehrstudie II des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Max Rubner-Institut) aus dem Jahr 2008 zeichnet ein vollkommen anderes Bild. Demnach weist beinahe die Hälfte der deutschen Bevölkerung (48,7 % der Frauen, 48,4 % der Männer) eine Vitamin-E-Unterversorgung auf.

Bei Kindern und Jugendlichen erreichen 43,2 Prozent der Mädchen und 42,3 Prozent der Jungen nicht die erforderlichen Referenzwerte für Vitamin E13. Da die breite Bevölkerung das Ergebnis dieser Studie nicht kennt, unternimmt kaum jemand etwas gegen diese bedrohliche Situation.

Vitamin E ist wichtig für die körperliche und geistige Entfaltung von Kindern

Bei der Entwicklung des Embryos im Mutterleib spielt Vitamin E eine entscheidende Rolle. Wenn schwangere Frauen eine sehr geringe Konzentration des Vitalstoffs im Blut aufweisen, kommt es schnell zu einer Unterversorgung des Ungeborenen. Dadurch erhöht sich das Risiko eines Neuralrohrdefekts14.

Unter diesem Begriff verstehen Ärzte schwerwiegende Fehlbildungen des zentralen Nervensystems15. Darüber hinaus steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder während der ersten zehn Lebensjahre Asthma entwickeln16. Das Erkrankungsrisiko ist umso größer, je weniger Vitamin E das mütterliche Blut enthält17.

Eine gute Versorgung des Embryos mit Vitamin E fördert die Intelligenz und die geistige Entwicklung in der Kindheit18. In den ersten zwei Jahren nach der Geburt hat sich der Vitamin-E-Spiegel als besonders kritisch erwiesen.

Unter anderem kann ein Mangel zu einem Kleinwuchs des Kindes führen. Erfolgt während dieser Zeit keine Behandlung mit einem Vitamin-E-haltigen Präparat, lässt sich die Wachstumsstörung nicht mehr rückgängig machen19.

Symptome eines Vitamin-E-Mangels

Erwachsene besitzen größere Vitamin-E-Depots im Körper, sodass eine Unterversorgung erst nach drei bis zehn Jahren gesundheitliche Probleme nach sich zieht. Ärzte sprechen von einem Vitamin-E-Mangel, wenn der Alpha-Tocopherol-Wert im Blut weniger als fünf Milligramm pro Liter beträgt.

Mit der Zeit führt ein schweres Defizit zu einem Abbau der Muskulatur und der Nerven. Darüber hinaus tritt nicht selten eine Blutarmut (Anämie) auf.

Zu den häufigsten Symptomen eines Vitamin-E-Mangels zählen:

  • verminderte Konzentrationsfähigkeit
  • Sehschwäche
  • Einschränkung der Leistungsfähigkeit
  • geistige Verlangsamung
  • Koordinationsstörungen, beeinträchtigte Reflexe
  • Zittern (Tremor)
  • rissige, trockene Haut, Altersflecken
  • Wundheilungsstörungen
  • Unfruchtbarkeit
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Da Kinder wesentlich weniger Vitamin E speichern können, macht sich eine Unterversorgung schneller bemerkbar. Als Mangel-Symptome treten bei Kindern und Jugendlichen häufig Muskelschwäche, Blutarmut sowie eine Störung der Nervenfunktion auf.

Wie kann man ein Defizit an Vitamin E vermeiden?

Wenn regelmäßig Nüsse und gesunde Öle auf dem Speiseplan stehen, lässt sich ein Vitamin-E-Mangel verhindern. In den nachfolgend aufgeführten Nahrungsmitteln findet sich eine hohe Konzentration des wertvollen Nährstoffs. Die angegebenen Mengen in Milligramm (mg) sind in 100 Gramm des entsprechenden Lebensmittels enthalten.

Vitamin-E-reiche Nahrung20 21 22 23

Vitamin E Lebensmittel
  • Weizenkeimöl (174 mg)
  • Mehrkornmüsli (126 mg)
  • Sonnenblumenöl (63 mg)
  • Moringa oleifera (45 mg)
  • Maiskeimöl (34 mg)
  • Sonnenblumenkerne (34)
  • Mandeln (26 mg)
  • Sojaöl (17 mg)
  • Margarine (16 mg)
  • Haselnüsse (15 mg)
  • Olivenöl (12 mg)
  • Pinienkerne (9 mg)

Zwei bis drei Esslöffel Sonnenblumenöl, eine Schüssel Mehrkornmüsli oder eine Handvoll Nüsse reichen am Tag aus, um den Bedarf an Vitamin E zu decken. Wer keine Nüsse verträgt und nicht so gerne Öle zu sich nimmt, kann als Alternative ein Vitamin-E-haltiges Nahrungsergänzungsmittel verwenden.

Mit 200 Milligramm (Kleinkinder) bis 1000 Milligramm (Erwachsene) Vitamin E am Tag gibt die amerikanische Gesundheitsbehörde NIH die maximale Tagesdosis so hoch an, dass eine Überdosierung kaum möglich ist24.

Fazit

Vitamin E hat eine große Bedeutung für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Bei Kindern und Jugendlichen bewirkt der wertvolle Nährstoff ein altersgemäßes Wachstum und die Entfaltung des geistigen Potenzials.

Viele Naturheilärzte und Heilpraktiker empfehlen den Eltern, morgens öfter ein Mehrkornmüsli anzubieten und regelmäßig Salate mit Weizenkeimöl oder Sonnenblumenöl zuzubereiten. Auf diese Weise lassen sich ein Vitamin-E-Mangel und seine gefährlichen Folgen für die Kinder leicht vermeiden.

Quellenverzeichnis
[1] Evans HM, Bishop KS. On the existence of a hitherto unrecognized dietary factor essential for reproduction. Science Dec;56:650-1.
[2] https://www.herzstiftung.de/pdf/zeitschriften/3_99_risiko.pdf
[3] https://www.gesundheitsinformation.de/was-sind-blutgerinnsel-und-wie-entstehen-sie.2238.de.html
[4] Moriguchi S, Muraga M. Vitamin E and immunity. Vitam Horm. 2000;59:305-36.
[5] Nazrun AS et al. The anti-inflammatory role of vitamin e in prevention of osteoporosis. Adv Pharmacol Sci. 2012;2012:142702.
[6] Rodríguez-Ramírez G et al. Vitamin E Deficiency and Oxidative Status are Associated with Prediabetes in Apparently Healthy Subjects. Arch Med Res. 2017 Apr;48(3):257-262.
[7] Constantinou C et al. Vitamin E and cancer: An insight into the anticancer activities of vitamin E isomers and analogs. Int J Cancer. 2008 Aug 15;123(4):739-52.
[8] La Fata G et al. Effects of Vitamin E on Cognitive Performance during Ageing and in Alzheimer’s Disease. Nutrients 2014;6(12):5453-5472.
[9] Ahmadi S et al. Antioxidant supplements and semen parameters: An evidence based review. Int J Reprod Biomed. 2016 Dec; 14(12): 729–736.
[10] Agarwal A et al. Role of oxidative stress in female reproduction. Reprod Biol Endocrinol. 2005 Jul 14;3:28.
[11] Keen MA, Hassan I. Vitamin E in dermatology. Indian Dermatol Online J. 2016;7(4):311-315.
[12] https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-e/
[13] Max Rubner-Institut. Ergebnisbericht Teil 2 Nationale Verzehrstudie II. 2008: Tab. A. 38, Seite 249.
[14] Chandler AL et al. Neural tube defects and maternal intake of micronutrients related to one-carbon metabolism or antioxidant activity. Birth Defects Res A Clin Mol Teratol. 2012 Nov;94(11):864-74.
[15] https://www.gesundheit.de/wissen/haetten-sie-es-gewusst/krankheiten/seltene-erkrankungen/was-ist-ein-neuralrohrdefekt
[16] Allan KM et al. Maternal vitamin D and E intakes during pregnancy are associated with asthma in children. Eur Respir J. 2015 Apr;45(4):1027-36.
[17] Wu H et al. Does vitamin E prevent asthma or wheeze in children: A systematic review and meta-analysis. Paediatr Respir Rev. 2018 Jun;27:60-68.
[18] Chen K et al. Antioxidant vitamin status during pregnancy in relation to cognitive development in the first two years of life. Early Hum Dev. 2009 Jul;85(7):421-7.
[19] Traber MG. Vitamin E inadequacy in humans: causes and consequences. Adv Nutr. 2014 Sep;5(5):503-14.
[20] http://www.vitalstoff-lexikon.de/index.php?PHPSESSID=5p46186o7pkfnk131a054491o6&mode=showarticle&searcharticlekeyword=vitamin+E&artid=166&blocklist=1&activeMenuNr=1&
[21] De Vries JW, Silvera KR. Determination of vitamins A (retinol) and E (alpha-tocopherol) in foods by liquid chromatography: collaborative study. J AOAC Int. 2002 Mar-Apr;85(2):424-34.
[22] Thomas RG, Gebhardt SE. Nuts and seeds as sources of alpha and gamma tocopherols. USDA – ARS Nutrient Data Laboratory, Beltsville.
[23] Simonsohn B. Moringa – Der essbare Wunderbaum. Kris-Verlag 1. Auflage 2014, Seite 20.
[24] https://ods.od.nih.gov/factsheets/VitaminE-HealthProfessional/#h7
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Über den Autor

Dr. Jochen G. Opitz

Jochen ist Biochemiker, Doktor der Naturwissenschaften und arbeitet seit 18 Jahren als Heilpraktiker in eigener Praxis. Durch seine Ausbildung und Erfahrung schreibt er für unsere Leser sowohl aus Sicht der Naturheilkunde als auch der westlichen Medizin. Mehr Informationen zu unseren Autoren finden Sie auf der Seite Über uns