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Warum brauchen Kinder Vitamin B6?

Kinder Vitamin B6

Vitamin B6 ist ein Teil des Vitamin-B-Komplexes, dem insgesamt acht lebensnotwendige Biomoleküle angehören. Weitere Vertreter der Gruppe sind Thiamin (Vitamin B1), Riboflavin (Vitamin B2), Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), Biotin (Vitamin B7), Folsäure (Vitamin B9) und Cobalamin (Vitamin B12)

Bei Kindern und Jugendlichen spielt Vitamin B6 eine entscheidende Rolle für die körperliche Entwicklung. Deshalb ist es wichtig, mit der richtigen Auswahl an Lebensmitteln einem Mangel vorzubeugen.

Vitamin B6 – ein vielseitiger Vitalstoff

Das wasserlösliche Biomolekül Vitamin B6 wird ausschließlich von Bakterien hergestellt. Zu den besten Nährstoffquellen für den Menschen zählen Fleisch, Fisch, Avocados, Hülsenfrüchte und Nüsse. Einige Biochemiker vermuten, dass unsere Darmflora ebenfalls einen kleinen Anteil des Vitamins produziert.

Unter der Bezeichnung Vitamin B6 sind sechs organische Verbindungen (Vitamere1) zusammengefasst: Pyridoxin, Pyridoxamin, Pyridoxal sowie ihre jeweiligen Abkömmlinge, sogenannte Phosphatester. Unser Körper kann diese Stoffe in die biologisch aktiven Verbindungen Pyridoxalphosphat (PLP) und Pyridoxaminphosphat (PMP) umwandeln.

Welche Funktion übt Vitamin B6 im Körper aus?

Vitamin B6 übernimmt immer dann wichtige Aufgaben, wenn Nährstoffe im Darm aufgenommen und in den verschiedenen Stoffwechselprozessen weiterverarbeitet werden. Zu diesem Zweck kooperiert das vielseitige Biomolekül mit zahlreichen Mineralien und Vitaminen. Unter anderem hilft Vitamin B6 beim Aufbau von Eiweißen (Proteinen), Botenstoffen (Neurotransmittern) und Biokatalysatoren (Enzymen).

Darüber hinaus ist es an der Kontrolle unserer Hormone und am Sauerstofftransport im Blut beteiligt. Um ihre vielfältigen Funktionen auszuführen, sind über 140 Enzyme auf die Mithilfe von Vitamin B6 als Coenzym angewiesen2.

Coenzyme stellen Hilfsmoleküle dar, die spezielle Biokatalysatoren aktivieren. Mit anderen Worten: Ohne eine ausreichend hohe Konzentration an Vitamin B6 können mehr als 100 körpereigene Reaktionen nicht ablaufen.

Der wertvolle Nährstoff unterstützt die Herstellung von weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) und Antikörpern. Somit schwächt ein Vitamin-B6-Mangel die körpereigenen Abwehrkräfte3. Eine gute Vitalstoffversorgung hingegen verbessert unsere Immunantwort4.

Gemeinsam mit anderen B-Vitaminen stärkt Vitamin B6 die kognitiven Leistungen von Kindern und Erwachsenen5. Unter dem Begriff Kognition verstehen Ärzte alle Vorgänge, die mit unserem Denken in Verbindung stehen. Dazu gehören Wahrnehmung, Gedächtnis, Lernen, Problemlösungen, Kreativität, Wille und Glaube6.

Für den Abbau von Histamin im Körper ist das Enzym Diaminoxidase (DAO) verantwortlich. Vitamin B6 reguliert als Coenzym die Aktivität der DAO7. Wenn der vielseitige Nährstoff nur in geringen Mengen vorliegt, wird das über die Nahrung aufgenommene oder vom Körper selbst produzierte Histamin nicht neutralisiert.

Als Folge kann es zu einer Histaminintoleranz8 kommen. Eine gute Versorgung mit Vitamin B6 beugt einerseits der Entstehung einer Histaminintoleranz vor. Darüber hinaus lindert die Einnahme von Vitamin-B6-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln oft die vorhandenen Beschwerden9.

Ein Mangel an Vitamin B6 bei Kindern

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) legt die Mindestmenge von Vitaminen fest, die Erwachsene und Kinder täglich zu sich nehmen sollten. Um ein Defizit an Vitamin B6 zu verhindern, gelten die folgenden Tagesdosen10.

Altersabhängige Referenzwerte von Vitamin B6

  • 0 bis 4 Monate: 0,1 mg
  • 4 bis 12 Monate: 0,3 mg
  • 1 bis 4 Jahre: 0,4 mg
  • 4 bis 7 Jahre: 0,5 mg
  • 7 bis 10 Jahre: 0,7 mg
  • 10 bis 13 Jahre: 1 mg
  • 13 bis 15 Jahre: 1,4 mg
  • 15 bis 19 Jahre: 1,6 mg (männlich), 1,2 mg (weiblich)
  • Erwachsene: 1,5 mg (männlich), 1,2 mg (weiblich)

Als das Max Rubner-Institut (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) im Jahr 2008 die Nationale Verzehrstudie II veröffentlichte, staunten Ärzte und Wissenschaftler. Bis zu diesem Zeitpunkt gingen offizielle Stellen davon aus, dass in Deutschland kein Mangel an Vitamin B6 herrscht.

Im Rahmen der internationalen Studie beantworteten insgesamt 20.000 Personen von 14 bis 80 Jahren detaillierte Fragen zu ihren Essgewohnheiten. Dabei zeigte sich Überraschendes: In Österreich, Deutschland und der Schweiz nehmen 12,8 Prozent der Frauen und 12,3 Prozent der Männer zu wenig Vitamin B6 mit der Nahrung auf.

Darüber hinaus liegt bei jedem siebten Mädchen (14,4 %) und jedem achten Jungen (12,4 %) zwischen 14 und 18 Jahren ein Vitamin-B6-Defizit vor11. Ein Mangel an Vitamin B6 tritt selten isoliert auf. Die meisten Betroffenen erreichen bei allen B-Vitaminen nicht die empfohlenen Referenzwerte.

Vitamin B6 Lebensmittel
Neben einer unausgewogenen Ernährung gilt als Hauptursache für die Unterversorgung ein erhöhter Vitalstoffbedarf bei Kindern in der Wachstumsphase. Erwachsene benötigen eine größere Menge Vitamin B6 vor allem dann, wenn sie regelmäßig rauchen, Alkohol konsumieren oder Medikamente einnehmen.

Eine unerkannte Störung der Darmflora kann die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen aus der Nahrung behindern. Vor allem nach einer Antibiotika-Behandlung lohnt sich deshalb eine Darmsanierung bei Kindern.

Symptome eines Vitamin-B6-Mangels

Da Vitamin B6 an allen wichtigen Stoffwechselprozessen mitwirkt, hat ein Defizit dramatische Konsequenzen für unseren Körper. Als erste Anzeichen treten oft Vitalitätsverlust, Leistungsschwäche und Müdigkeit auf.

Zu den weiteren Symptomen zählen Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust, Lichtempfindlichkeit und eine erhöhte Reizbarkeit. Da die Beschwerden auf zahlreiche Erkrankungen zutreffen, wird ein Vitamin-B6-Mangel in vielen Fällen erst spät erkannt.

Liegt ein chronisches Defizit vor, leiden die Betroffenen unter Wunden an den Lippen, der Zunge und der Mundschleimhaut. Hinzu kommen Blutarmut (Anämie) sowie eine generelle Abwehrschwäche, die häufige grippale Infekte nach sich ziehen kann.

Ein länger andauernder Vitamin-B6-Mangel macht sich bei Kindern durch Blässe, Abgeschlagenheit und Wachstumsstörungen bemerkbar. Kleinkinder und Säuglinge zittern, krampfen und sind in ihrem Bewegungsablauf beeinträchtigt.

Wenn Erwachsene und Kinder Vitamin B6 in ausreichender Menge aufnehmen, gehen die Beschwerden wieder zurück.

Wie kann man ein Defizit an Vitamin B6 vermeiden?

Durch eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung lässt sich ein Vitamin-B6-Mangel leicht verhindern. Da die meisten tierischen Produkte den wertvollen Nährstoff enthalten, steht Mischköstlern eine große Auswahl an Nahrungsmitteln zur Verfügung.

Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Vitamin B6 (pro 100 g)12

  • Sojabohnen (1,0 mg)
  • Lachs (0,98 mg)
  • Sardine (0,97 mg)
  • Walnüsse (0,87 mg)
  • Makrele (0,63 mg)
  • Sonnenblumenkerne (0,6 mg)
  • Linsen (0,6 mg)
  • Schweineleber (0,59 mg)
  • Avocado (0,5 mg)
  • Rindfleisch (0,5 mg)
  • Schweinefleisch (0,5 mg)
  • Huhn und Pute (0,5 mg)
  • Thunfisch (0,46 mg)
  • Hering (0,45 mg)
  • Erdnüsse (0,44 mg)
  • weiße Bohnen (0,41 mg)
  • Bananen (0,37 mg)
  • Haselnüsse (0,31 mg)
  • Kartoffeln (0,3 mg)
  • Möhren (0,3 mg)

Auch für Veganer und Vegetarier ist es nicht schwierig, den Tagesbedarf an Vitamin B6 zu decken. Teenagern und Erwachsenen gelingt das bereits mit einer Avocado (200 Gramm) und einer Banane. Als Alternative bieten sich 50 Gramm Walnüsse, 100 Gramm Sojabohnen, 150 Gramm Naturreis und ein Glas (200 Milliliter) frisch gepresster Orangensaft an.

Wer Fleisch, Fisch und Gemüse zubereitet, sollte Vitaminverluste durch das Garen einkalkulieren. Erfahrungsgemäß geht etwa ein Drittel der B-Vitamine beim Kochen oder Braten verloren. Hinzu kommt, dass Tiefkühlkost nur noch die Hälfte des Vitamin-B6-Gehalts von Lebensmitteltabellen enthält.

Über die Nahrung ist es unmöglich, so viel Vitamin B6 zu verzehren, dass die Anzeichen einer Überdosierung auftreten. Nach den Angaben der Nationalen Gesundheitsbehörde der USA dürfen Kinder und Jugendliche je nach Alter zwischen 30 und 80 Milligramm Vitamin B6 täglich zu sich nehmen13. Um diese Werte zu überschreiten, müsste ein Kind von vier bis acht Jahren jeden Tag über vier Kilogramm Lachs, acht Kilogramm Fleisch oder 10,8 Kilogramm Bananen essen.

Fazit

Vitamin B6 wirkt bei zahlreichen Stoffwechselvorgängen mit und aktiviert mehr als 140 körpereigene Enzyme. Vor allem unsere Abwehrkräfte und das Nervensystem sind auf eine ausreichende Versorgung mit dem vielseitigen Biomolekül angewiesen.

Ein Mangel kann bei Kindern und Jugendlichen Wachstumsstörungen sowie eine Verschlechterung der schulischen Leistungen verursachen. Deshalb ist es ratsam, regelmäßig Vitamin-B6-reiche Lebensmittel wie Nüsse, Avocados, Bananen, oder Sojabohnen zu verzehren.

Quellenverzeichnis
[1] https://www.spektrum.de/lexikon/ernaehrung/vitamere/9165
[2] Stover PJ, Field MS. Vitamin B-6. Adv Nutr. 2015 Jan 15;6(1):132-3.
[3] Rall LC, Meydani SN. Vitamin B6 and immune competence. Nutr Rev. 1993 Aug;51(8):217-25.
[4] Cheng CH et al. Vitamin B6 supplementation increases immune responses in critically ill patients. Eur J Clin Nutr. 2006 Oct;60(10):1207-13.
[5] Riggs KM et al. Relations of vitamin B-12, vitamin B-6, folate, and homocysteine to cognitive performance in the Normative Aging Study. Am J Clin Nutr. 1996 Mar;63(3):306-14.
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Kognition
[7] Martner-Hewes PM et al. Vitamin B-6 nutriture and plasma diamine oxidase activity in pregnant Hispanic teenagers. Am J Clin Nutr. 1986 Dec;44(6):907-13.
[8] https://www.vital-fit-und-gesund.de/histaminintoleranz-test-von-cerascreen-erfahrungsbericht/
[9] Jarisch R, Wantke F. Wine and headache. Int Arch Allergy Immunol. 1996 May;110(1):7-12.
[10] https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-b6/
[11] Max Rubner-Institut. Ergebnisbericht Teil 2 Nationale Verzehrstudie II. 2008: Tab. A. 42, Seite 253.
[12] http://www.vitalstoff-lexikon.de/Vitamin-B-Komplex/Pyridoxin-Vitamin-B6-/Lebensmittel.html
[13] National Institutes of Health. Vitamin B6: Table 3: Tolerable Upper Intake Levels (ULs) for Vitamin B6.
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Über den Autor

Dr. Jochen G. Opitz

Jochen ist Biochemiker, Doktor der Naturwissenschaften und arbeitet seit 18 Jahren als Heilpraktiker in eigener Praxis. Durch seine Ausbildung und Erfahrung schreibt er für unsere Leser sowohl aus Sicht der Naturheilkunde als auch der westlichen Medizin. Mehr Informationen zu unseren Autoren finden Sie auf der Seite Über uns