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Warum brauchen Kinder Jod?

Jod für Kinder

Jod zählt heute zu den umstrittensten Mineralstoffen. Zweifellos spielt das Spurenelement eine entscheidende Rolle für das gesunde Wachstum von Kindern. Auch bei Erwachsenen beeinflusst Jod zahlreiche lebenswichtige Körperfunktionen.

Seit rund 20 Jahren findet in Deutschland eine flächendeckende Jodierung statt, um den weitverbreiteten Mangel zu beseitigen. Diese Maßnahme rief zahlreiche Kritiker auf den Plan, die darin eine große Gefahr für die Bevölkerung sehen. Inzwischen haben sich zwei Gruppen gebildet, die mit harten Bandagen aufeinander losgehen.

Die eine Seite befürwortet das staatliche Jodierungsprogramm als gesundheitsfördernd, während die Gegner den Jodgehalt der Nahrungsmittel für die zunehmende Zahl an Schilddrüsen-Erkrankungen verantwortlich machen. Im Folgenden versuchen wir, dieses kontroverse Thema objektiv darzustellen und beide Seiten zu Wort kommen zu lassen.

Jod – ein unverzichtbarer Grundnährstoff für unsere Gesundheit

Jod ist ein wesentlicher Grundbaustein für den menschlichen Organismus, den er nur über die Ernährung erhält. Die Substanz findet sich in Nahrungsmitteln tierischer und pflanzlicher Herkunft. Der Jodanteil liegt im Mikrogramm-Bereich, weshalb dieser Stoff zu den Spurenelementen zählt.

Lebensnotwendig ist Jod deshalb, weil die Schilddrüse nur mit dessen Hilfe unsere Steuerungs- und Wachstumshormone bilden kann. Ein chronischer Jodmangel kann zu körperlichen und geistigen Entwicklungsstörungen führen1.

Jod – Taktgeber für unseren Körper

Warum das Spurenelement Jod so wichtig ist

Als unverzichtbarer Taktgeber steuert Jod bereits im Mutterleib maßgeblich das Herz-Kreislauf-System des Embryos und ist für die Entwicklung des Gehirns sowie des gesamten Körperbaus verantwortlich.

Schwerpunkte sind:

  • der Energie- und Fettstoffwechsel,
  • die Herzfunktion und der Blutdruck,
  • die Funktionsabläufe im Verdauungstrakt,
  • eine gesunde Entwicklung des Nervensystems und des Gehirns,
  • das normale Körperwachstum und Aussehen.

Ein besonders hoher Jodbedarf besteht während der Schwangerschaft sowie in der Kindheit und der Jugend. Aber auch bei Erwachsenen bleibt das wertvolle Spurenelement lebenslang der Schrittmacher für einen gesunden Körper und psychische Ausgeglichenheit2,3,4.

Jod und die Schilddrüsenhormone

Die Steuerungsvorgänge Im Organismus übernimmt Jod nicht in Form des anorganischen Ions Jodid, sondern erst nach der biochemischen Umwandlung in organische Jodverbindungen5. Dabei entstehen die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Tetrajodthyronin). Die Produktion dieser Hormone erfolgt ausschließlich in der Schilddrüse und ist nur dann gewährleistet, wenn ausreichende Mengen an Jod vorliegen.

Typische Jodmangelsymptome bei Kindern und Erwachsenen

Sind Kinder und Erwachsene mit Jod unterversorgt, treten zunächst keine typischen Beschwerden auf. Wenn die Mangelsituation über längere Zeit bestehen bleibt, kann es zu gesundheitlichen Störungen kommen. Zu den häufigen Symptomen zählen6,7:

  • Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten
  • Antriebslosigkeit und verlangsamte Reflexe
  • allgemeine Leistungsminderung
  • teigige Haut
  • Übergewicht
  • Anzeichen einer Kropfbildung (Struma)

Wie viel Jod benötigen wir, um einen Mangel zu verhindern?

Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Für Jugendliche und Erwachsene beziffern Experten den täglichen Jodbedarf in Deutschland auf 180 bis 200 Mikrogramm (µg). Schwangere und stillende Mütter benötigen etwa 230 bis 260 Mikrogramm. Bei Kindern und Jugendlichen liegt der Wert je nach Alter zwischen 80 und 180 Mikrogramm. Die Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) geben Aufschluss über den genauen täglichen Bedarf8:

LebensphaseEmpfohlene tägliche Jodzufuhr
Schwangere230 µg
Stillende260 µg
Säuglinge
0 bis 4 Monate40 µg
4 bis 12 Monate80 µg
Kinder
1 bis 4 Jahre100 µg
4 bis 7 Jahre120 µg
7 bis 10 Jahre140 µg
10 bis 13 Jahre180 µg
13 bis 15 Jahre200 µg
Jugendliche und Erwachsene
15 bis 51 Jahre200 µg
51 Jahre und älter180 µg

Offiziellen Angaben zufolge ist ein Jodmangel bei Kindern und Erwachsenen weitverbreitet

Um auf die Ernährungssituation in deutschsprachigen Ländern hinzuweisen, veröffentlichte das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel (Max Rubner-Institut) im Jahr 2008 die Nationale Verzehrstudie II. Die erhobenen Daten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zeigen, dass ein Jodmangel in der Bevölkerung eine weite Verbreitung findet.

Mehr als die Hälfte aller Frauen (53,3 %) und über ein Viertel der Männer (27,6 %) erreichen nicht die Referenzwerte der DGE. Bei Kindern und Jugendlichen ist das Ergebnis noch dramatischer: 73,1 Prozent der Mädchen und 41,9 Prozent der Jungen weisen ein Joddefizit auf9.

Kritiker bemängeln, dass die Zahlen bereits über zehn Jahre alt sind und deshalb die heutige Situation nicht widerspiegeln. Nach Ansicht vieler Naturheilärzte und Heilpraktiker wäre es sinnvoll, eine Bestimmung des Jodgehalts im Körper vorzunehmen. Als geeignete Methode bietet sich eine Urinuntersuchung an.

Diese Maßnahme bietet den Vorteil, dass nicht nur jeder seinen persönlichen Jodstatus kennt, sondern auch eine Aussage über die aktuelle Jodversorgung in Deutschland gemacht werden könnte.

Jodmangel – welche Personen sind besonders gefährdet?

Für das Auftreten eines Joddefizits gibt es unterschiedliche Gründe. Neben einer jodarmen Ernährung kann auch ein erhöhter Bedarf für den Mangel verantwortlich sein. Zu den Hauptrisikogruppen zählen:

Schwangere

Aufgrund der Hormonumstellung braucht der weibliche Körper in dieser Phase vermehrt Jod. Ab der 12. Schwangerschaftswoche produziert die Schilddrüse des Ungeborenen eigene Schilddrüsenhormone. Das dafür erforderliche Jod liefert die Plazenta der Mutter.

Stillende Frauen

In der Stillphase benötigt die Mutter weiterhin vermehrt Jod, da sie ihr Kind über die Muttermilch mit dem Spurenelement versorgt. Erhalten Säuglinge und Babys selbst hergestellte Beikost ohne Jodzusatz, verhindern Jodtabletten das Auftreten einen Mangels.

Vegetarier und Veganer

Pflanzliche Produkte enthalten nur wenig Jod. Wer ganz auf tierische Kost wie Milchprodukte und Seefisch verzichtet, ist ohne ein jodhaltiges Nahrungsergänzungsmittel schnell unterversorgt.

Wie kann man einen Jodmangel vermeiden?

Die meisten Schulmediziner und Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Referenzwerte der DGE eine ausgezeichnete Vorsorge darstellen. Im Familienalltag lässt sich eine Unterversorgung mit Jod leicht vermeiden, wenn die Eltern die Empfehlungen der Fachgesellschaften stufenweise umsetzen:

Die erste Stufe beinhaltet eine ausgewogene Ernährung mit Lebensmitteln wie Fleisch, Seefisch und Milchprodukten. Sie sorgt erfahrungsgemäß für circa 100 µg Jod täglich.

Die nachfolgende Tabelle zeigt den Jodgehalt ausgewählter Lebensmittel:

LebensmittelJodgehalt (pro 100 g)
Vollkornbrot ohne Jodsalz3 µg
Mischbrot mit Jodsalz25 µg
Schweinefleisch5 µg
Rindfleisch7 µg
Schellfisch190 µg
Fischstäbchen paniert175 µg
Kabeljau70 µg
Scholle40 µg
1 Hühnerei6 µg
Trinkmilch7 µg
Tomaten2 µg

Eine Online-Planungstabelle mit Rechner zum Jodgehalt pro Mahlzeit für Kinder und Erwachsene hilft bei der täglichen Speisenauswahl.

Jodsalz
Die Stufe zwei betrifft jodiertes Kochsalz. Wer es im Haushalt konsequent nutzt und vorzugsweise mit Jodsalz hergestellte Fertigprodukte wie Pizzen oder Brot einkauft, kommt auf weitere 80 bis 100 µg Jod. Falls industriell hergestellte Lebensmittel Jod enthalten, ist diese Angabe auf der Packung zu finden. Bei Brot hilft das Nachfragen in der Bäckerei.

Die dritte Stufe sind frei verfügbare Nahrungsergänzungsmittel oder Jodtabletten. Dadurch werden vor allem die Risikogruppen unterstützt. Wichtig sind noch folgende Hinweise:

Schwangere und Stillende haben einen zusätzlichen Tagesbedarf an Jod von 150 bis 200 µg, wobei Sie die Details mit Ihrem Arzt klären sollten. Für Kinder genügen 50 µg, für Jugendliche und Erwachsene 100 µg täglich.

Kritiker sehen in der flächendeckenden Jodierung ein gesundheitliches Risiko

Auf den ersten Blick scheint die Anreicherung von Kochsalz eine sinnvolle Maßnahme zu sein, um dem Jodmangel Einhalt zu gebieten. In den letzten Jahren haben sich jedoch zahlreiche Kritiker zu Wort gemeldet, die Bedenken gegen diese weitreichende Maßnahme haben.

Die von der EU empfohlene Jodierung beschränkt sich nicht alleine auf Kochsalz, das in den Handel kommt. Wenn es sich nur darum handelte, könnte jeder Verbraucher selbst entscheiden, ob er Salz mit oder ohne Jodzusatz kauft. Ein wesentlich größerer Teil der Jodanreicherung findet unbemerkt statt und ist häufig für den Konsumenten gar nicht zu erkennen.

Sowohl die industriell betriebene Landwirtschaft als auch Biobauern setzen dem Tierfutter in der Regel Jodid zu. Die einzige Ausnahme ist Demeter, das den Einsatz von Jodsalz nicht gestattet.

Getreu dem Motto „viel hilft viel“ meinen es nicht wenige Bauern besonders gut und verwenden höhere Dosierungen als offiziell empfohlen. Als Folge stieg die Jodkonzentration in Eiern und Kuhmilch während der letzten 20 Jahre deutlich an10.

Hinzu kommt, dass in Bäckereien und Restaurants fast immer Jodsalz eingesetzt wird. Somit ist überhaupt nicht klar, wie viel Jod die Menschen jeden Tag in Deutschland tatsächlich aufnehmen.

Französische Behörden verbieten die Anwendung von jodiertem Salz in Lebensmitteln

Vor Kurzem veröffentlichte die französische Lebensmittelbehörde AFSSA (Agence Française de Sécurité Sanitaire des Aliments) einen Bericht über die Gefahren der Jodierung verarbeiteter Nahrungsmittel. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass durch die flächendeckende Verwendung von Jodsalz die französische Bevölkerung einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt wird.

Die Lebensmittelbehörde befürchtet ein Überschreiten der oberen Sicherheitsgrenze für Jod, die zu Erkrankungen der Schilddrüse führen kann. Aus diesem Grund ist es in Frankreich verboten, jodiertes Kochsalz in der Nahrungsmittelindustrie zu verwenden11.

Einige Mediziner warnen vor einer Zunahme von Schilddrüsen-Erkrankungen durch Jodsalz

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält die handelsüblichen Jodmengen in Lebensmitteln für unbedenklich und sieht erst eine Dosierung über 500 Mikrogramm pro Tag als problematisch an. Nach Aussagen von Fachärzten trifft diese Einschätzung auf 90 Prozent der Bevölkerung zu.

Jeder zehnte Deutsche bekommt jedoch durch die hohen Jodmengen gesundheitliche Probleme. Die Betroffenen bezeichnen sich selbst als Jodallergiker oder jodsensibel. Nicht selten steckt eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse dahinter.

Der im Februar 2019 verstorbene ehemalige Chefarzt der Schilddrüsenambulanz des Krankenhauses Am Urban in Berlin, Professor Dr. med. Jürgen H. Hengstmann, macht die flächendeckende Jodierung für die dramatische Zunahme der Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis verantwortlich12.

Seiner Erfahrung nach besteht heutzutage für 20 Prozent aller deutschen Frauen im gebärfähigen Alter die Gefahr, im Zusammenhang mit der Schwangerschaft eine Hashimoto-Thyreoiditis zu entwickeln. Wenn Frauen mit Kinderwunsch nicht schwanger werden, kann eine zu hohe Jodaufnahme dafür verantwortlich sein13.

In Deutschland leiden zwischen einem und fünf Prozent der Menschen an einer Schilddrüsen-Überfunktion (Morbus Basedow). Für diese Personen bergen größere Tagesdosen an Jodid eine ernsthafte Gefahr:

Hohe Jodmengen bei Morbus Basedow könnte man meiner Meinung nach auch als Mordversuch ansehen, wenn man die tödlichen Folgen der hohen Jodgaben bei einer Morbus-Basedow-Erkrankung kennt und billigend in Kauf nimmt14.Prof. Dr. med. Jürgen H. Hengstmann

Wer an einer Schilddrüsen-Erkrankung leidet, sollte sich jodarm ernähren. In Anbetracht der flächendeckenden Jodanreicherung in Deutschland ist das für die Betroffenen gar nicht leicht.

Ist Jod wichtig oder eher gefährlich für unsere Gesundheit?

An dieser Stelle sind einige Leser möglicherweise verwirrt. Das liegt daran, dass wir in diesem Artikel beide Seiten der landesweiten Jodierung beleuchtet haben. Was können Sie jetzt tun?

Für 90 Prozent der Bevölkerung ist die Verwendung von Jodsalz problemlos möglich. Kinder und Erwachsene profitieren eindeutig von der erhöhten Aufnahme des wertvollen Spurenelements.

Wer bereits Probleme mit der Schilddrüse hat, sollte mit dem Verzehr von Lebensmitteln vorsichtig sein, die mit Jodid angereichert sind. Das Gleiche gilt auch für Kinder, wenn ein Elternteil an einer Schilddrüsen-Überfunktion oder einer Hashimoto-Thyreoiditis leidet.

Vor allem in der Schwangerschaft sollten Frauen auf die Gesundheit ihrer Schilddrüse achten und nicht ohne ärztliche Kontrolle größere Mengen an Jod zu sich nehmen. Ansonsten gilt der Ratschlag, sich weder von den Gegnern noch von den Befürwortern der flächendeckenden Jodierung Angst einjagen zu lassen.

Wie lässt sich die Jodversorgung ohne Jodsalz sicherstellen?

Meeresalgen stellen ausgezeichnete, natürliche Jodlieferanten dar. In getrockneter Form eignen sie sich gut zu Salaten und Suppen. Algen, die in Öl eingelegt sind, kann man zu einer Gemüseplatte reichen oder direkt aufs Brot geben. Da Meeresalgen sehr jodreich sind, genügen kleine Portionen der gesunden Lebensmittel, um einen Jodmangel zu vermeiden.

Jodgehalt von Meeresalgen in Mikrogramm pro Gramm Lebensmittel

  • Kelp (Braunalge) 3.000 bis 11.000 µg
  • Kombu (Unterart von Kelp) 1.700 bis 2.600 µg
  • Arame (Unterart von Kelp) 600 bis über 5.000 µg
  • Wakame (Unterart von Kelp) 100 bis 350 µg
  • Meeresspaghetti (Braunalge) 2.000 µg
  • Hijiki (Braunalge) 500 µg
  • Dulse (Rotalge) 500 µg
  • Meeressalat (Grünalge) 240 µg
  • Nori (Algenblätter für japanisches Sushi) bis zu 50 µg

Fazit

Nach offiziellen Angaben ist Deutschland auch heute noch ein Jodmangelgebiet. Durch Jodid im Kochsalz, jodhaltige tierische Produkte und Fertiggerichte wird versucht, die Bevölkerung besser mit dem lebenswichtigen Spurenelement zu versorgen.

Aufgrund der flächendeckenden Jodierung erhalten wir heutzutage wesentlich mehr Jod als alle Generationen zuvor. Rund 90 Prozent der Menschen toleriert das deutlich bessere Mineralstoffangebot ohne Probleme. Die restlichen 10 Prozent leiden mehr oder weniger stark unter der für sie zu hohen Jodmenge.

Um den individuellen Jodstatus abzuklären, lohnt sich ein Urintest, den man bequem zu Hause durchführen kann. Als Ersatz für Jodsalz und Co eignen sich nicht nur für Veganer getrocknete Meeresalgen, um auf natürliche Weise einem Mangel vorzubeugen.

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Über den Autor

Dr. Jochen G. Opitz, Dr. Erwin Spiegel