Ernährung

Die vielfältige Wirkung von Ingwer und seine Anwendungen

Wirkung von Ingwer

In Europa ist der Ingwer bereits seit Jahrhunderten als Gewürz bekannt und geschätzt. Erst in jüngerer Vergangenheit rückte er in den Fokus der Medizin. Seitdem konnten zahlreiche Studien unterschiedlichste Wirkungen des Ingwers als Schmerzmittel oder zur Fettverbrennung nachweisen.

Diese Erkenntnisse decken sich mit den Annahmen der traditionellen Medizin des Ostens – in Asien wird der Ingwer seit tausenden von Jahren als natürliches Heilmittel eingesetzt.

Der Ingwer ist eine krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 50 und 150 Zentimetern erreichen kann. Sowohl in der Küche als auch in der Medizin wird in Europa lediglich der unter der Erde zu findende Wurzelstock des Ingwers, welcher auch als Ingwerrhizom bezeichnet wird, verwendet.

Beheimatet ist die schilfartig aussehende Pflanze in den Subtropen und Tropen. Hauptanbaugebiete stellen Sri Lanka, Indonesien, Indien, Vietnam, Japan, China, Australien, Nigeria und Frankreich dar. Darüber hinaus wird der Ingwer auch in Südamerika angebaut.

Welchem Land bzw. welcher Region der Erde der Ingwer ursprünglich entstammte, ist nicht bekannt. Der Ursprung des Gewächses wird jedoch in Sri Lanka oder auf den pazifischen Inseln vermutet.

Ingwer in der Küche

Hierzulande ist der Ingwer ein beliebtes Gewürz. Sowohl frisch als auch getrocknet wird geriebene Ingwerwurzel zum Verfeinern verschiedenster Speisen eingesetzt. Auch in der Getränkeindustrie wird häufig auf Ingwer zurückgegriffen – Ginger-Ale und Ingwerbier sind Beispiele für beliebte, ingwerhaltige Getränke.

Ingwerkonfitüre wird vor allem in Großbritannien verzehrt. Auch mit Schokolade überzogener Ingwer ist dort ausgesprochen beliebt.

In Asien wird neben der bei uns verwendeten ausgereiften Ingwerwurzel auch der sogenannte grüne Ingwer in der Küche eingesetzt. Bei diesem handelt es sich um eine sehr jung geerntete Ingwerwurzel. Der Geschmack des grünen Ingwers ist vergleichsweise mild.

Wirkstoffe des Ingwers

Ingwer enthält mehr als 160 verschiedene Stoffe. Nur ein kleiner Teil dieser Inhaltsstoffe ist aus gesundheitlicher Sicht von Bedeutung. So ist die Wirkung des Ingwers vor allem auf die enthaltenen ätherischen Öle sowie auf Gingerole und die zu diesen zählenden Shoagole zurückzuführen.

Beide Stoffe werden den sogenannten Scharfstoffen zugeordnet, von denen bisher sechs verschiedene im Ingwer gefunden wurden. Einige Wirkstoffe, vor allem 6-Shoagol, sind Abbauprodukte dieser Scharfstoffe. Neben der medizinischen Wirkung sind diese Stoffe auch für den charakteristischen Geschmack des Ingwers verantwortlich.

Medizinische Wirkungsweise

Die Wirkweise dieser Inhaltsstoffe des Ingwers ist nicht endgültig geklärt. Wissenschaftler, die sich mit der Wirkung des Ingwers befassen, vermuten jedoch, dass die Scharfstoffe über die Beeinflussung eines bestimmten Rezeptors entzündungshemmend wirken.

Darüber hinaus wird ein Einfluss auf bestimmte Botenstoffe des Immunsystems, sogenannte Interleukine und Cytokine, vermutet. Auch die Bildung von Stickstoffmonoxid wird durch die Wirkstoffe des Ingwers beeinflusst – hierdurch können letztendlich Gefäßverengungen sowie -erweiterungen hervorgerufen werden.

Die Wirkstoffe des Ingwers hemmen zudem das Enzym Cyclooxygenase. Dieses Enzym wird auch durch häufig eingesetzte schmerz- und entzündungshemmende Medikamente wie Aspirin gehemmt. Auf diesem Wege erreicht der Ingwer ebenfalls eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung.

Darüber hinaus wird vermutet, dass die Scharfstoffe sowie die ätherischen Öle des Ingwers in der Lage sind, Bakterien und Pilze abzutöten. Fest steht also, dass die für die Wirkung des Ingwers verantwortlichen Stoffe gleich mehrere Körperfunktionen zu beeinflussen in der Lage sind.

Neben den Scharfstoffen und den ätherischen Ölen enthält der Ingwer viele Nährstoffe, was ihn zu einem wertvollen Nahrungsmittel macht. So finden sich beispielsweise Eisen, Kalzium, Kalium und Natrium sowie zahlreiche Vitamine.

Die Wirkung des Ingwers

Nachdem die Wirkstoffe des Ingwers im vorangehenden Absatz vorgestellt wurden, sollen nun die gesundheitlichen Wirkungen des Ingwers betrachtet werden: Bei welchen gesundheitlichen Problemen oder Krankheiten kann Ingwer eingesetzt werden?

Ingwer als Schmerzmittel

Im vorherigen Abschnitt wurde bereits erwähnt, dass die Scharfstoffe des Ingwers das Enzym Cyclooxygenase hemmen. Dieses Enzym wird auch von gängigen Schmerzmitteln gehemmt, wodurch die schmerzlindernde Wirkung hervorgerufen wird. Wer auf synthetische Schmerzmittel verzichten möchte, kann Ingwer als natürliche Alternative ausprobieren.

Untersucht wurde die schmerzstillende Wirkung des Ingwers unter anderem in einer Studie aus dem Jahr 2014. Diese bewies, dass Arthroseschmerzen durch Ingwerpräparate gelindert werden können1. Um endgültige Aussagen treffen zu können, müssen jedoch weitere Studien durchgeführt werden.

Nichtsdestotrotz sind die bisherigen Erkenntnisse vielversprechend und deuten darauf hin, dass Ingwer als natürliches Schmerzmittel eingesetzt werden kann.

Ingwer gegen Übelkeit und Brechreiz

Gegen Reiseübelkeit gilt Ingwer bereits seit langem als probates Mittel. Wissenschaftler konnten dies in jüngerer Vergangenheit bestätigen2. Sie wiesen nach, dass die Wirkstoffe an bestimmten Rezeptoren aktiv werden, die am Hervorrufen des Erbrechens beteiligt sind.

Die Wirksamkeit des Ingwers wird in der Fachwelt als vergleichbar mit dem gängigen Mittel Dimenhydrinat, das in den meisten Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt wird, eingeschätzt. Neben Ingwerpräparaten aus der Apotheke hilft auch das Kauen eines geschälten Ingwerstücks oder das Trinken frischen Ingwertees.

Doch die Forscher konnten sogar weitergehende Wirkungen nachweisen. So wirkt Ingwer laut einer Studie aus den USA nicht nur bei harmloser Reiseübelkeit, sondern auch bei Übelkeit, die als Nebenwirkung einer Chemotherapie auftritt3.

Probanden, die zusätzlich zu den bewährten Brechreizhemmern Ingwer einnahmen, litten weniger stark unter Übelkeit. Weitere Studien müssen jedoch noch durchgeführt werden, sodass Ingwer noch nicht flächendeckend eingesetzt wird.

Ingwer zur Verdauungsförderung

Verdauungsfördernde Effekte des Ingwers sind allgemein bekannt und durch Studien bewiesen. So werden sowohl Magensäureproduktion als auch Speichelfluss durch die Scharfstoffe des Ingwers angeregt4.

Ingwer Tee
Zudem werden Bewegungen des Magens und des Darms durch die Wirkstoffe des Ingwers gefördert. Bei Verdauungsbeschwerden kann es also hilfreich sein, auf Ingwer zurückzugreifen.

Gewöhnlich wird bei diesen Beschwerden Ingwertee eingesetzt. Dieser kann entweder selbst zubereitet werden, indem eine ungeschälte Bio-Ingwerwurzel mit Wasser überbrüht wird, oder als fertiges Präparat in Apotheken und Drogerien erworben werden.

Ingwer bei Erkältungen

Erkältungen sind lästig und müssen durchgestanden werden. Ein Mittel, das die Erkältungsviren bekämpft, existiert nicht. Ingwer soll jedoch helfen, die Beschwerden zu lindern. So regen die Scharfstoffe scheinbar die Durchblutung des gesamten Körpers an und aktivieren Wärmerezeptoren5.

Dadurch werden die Keime schneller aus dem Körper transportiert. Darüber hinaus werden Schmerzen und Entzündungssymptome gelindert.

Bei Erkältungen eignet sich vor allem Ingwertee. Im Idealfall sollte Bio-Ingwer ungeschält mit heißem Wasser aufgegossen werden – ein Großteil der wertvollen Wirkstoffe befindet sich nämlich in der Schale des Ingwerrhizoms.

Ingwer als Hausmittel bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen

Als Hausmittel wird Ingwer häufig bei Nebenhöhlenentzündungen eingesetzt. Auch hier wird meist auf die durchblutungsfördernde und „aufheizende“ Wirkung des Ingwers verwiesen. Darüber hinaus sollen die ätherischen Öle des Ingwers in der Lage sein, Bakterien abzutöten.

Studien, die die Wirkung bei einer Nasennebenhöhlenentzündung belegen, existieren jedoch bisher nicht. Es gilt jedoch als erwiesen, dass Ingwer in Form von Tee oder in geriebener Form als Auflage verwendet den Abtransport des Schleims aus den Nebenhöhlen fördert.

Anleitung – Ingwerauflage

Die Anwendung als Auflage ist meist hilfreich, muss jedoch vorsichtig durchgeführt werden.

1. Geriebener Ingwer wird auf ein Stück Küchenpapier gelegt, welches wiederum auf ein Geschirrtuch gelegt wird.
2. Das Geschirrtuch wird zusammengefaltet und mit heißem Wasser übergossen.
3. Anschließend wird es auf den Nasenbereich gelegt und mit einem warmen Handtuch abgedeckt.

Die Augen müssen während der Anwendung geschützt werden. Hierzu eignen sich beispielsweise feuchte Kompressen. Außerdem ist es sinnvoll, Wangen und Nase mit Vaseline einzureiben, um die Haut zu schonen. Um Verbrennungen zu vermeiden, sollte die Auflage nach fünf bis zehn Minuten entfernt werden.

Ingwer zur Anregung der Fettverbrennung

Laut einer Studie der Columbia-Universität in New York kurbelt Ingwer die Fettverbrennung an. Sie wiesen nach, dass Probanden, die vor den Mahlzeiten Ingwerwasser tranken, schneller satt wurden und somit weniger aßen als die Teilnehmer der Kontrollgruppe6.

Außerdem konnte anhand der Blutwerte nachgewiesen werden, dass das Ingwerwasser den Stoffwechsel anregt.

Anleitung – Ingwerwasser

Ingwerwasser lässt sich ganz einfach selbst herstellen.

1. Hierzu muss ein Stück Ingwerwurzel geraspelt und anschließend mit kochendem Wasser übergossen werden. Das Getränk muss etwa zehn Minuten lang ziehen.
2. Danach wird das Ingwerwasser durch ein feines Sieb gegossen, welches den geraspelten Ingwer auffängt.

Das reine Ingwerwasser kann nun entweder warm getrunken oder kaltgestellt und später als kühle Erfrischung genossen werden.

Ingwer ist nicht für jeden geeignet

In der Schwangerschaft sollte Ingwer aufgrund der nicht absehbaren Wirkung auf das ungeborene Kind nicht eingenommen werden. Auch Kinder und Personen mit empfindlichem Magen müssen auf Ingwer verzichten.

Wer an Gallensteinen, Gerinnungsstörungen, Bluthochdruck oder Diabetes leidet, sollte Ingwer nur nach Rücksprache mit einem Arzt anwenden. Gleiches gilt für Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Sind Operationen geplant, dürfen keine Ingwerpräparate verwendet werden.

Fazit

Die Ingwerwurzel ist ein vielseitig einsetzbares Mittel, das auch außerhalb der Küche seine Berechtigung hat. Mehrere Studien konnten verschiedene positive Wirkungen des Ingwers auf die menschliche Gesundheit nachweisen. So wirkt Ingwer schmerzlindernd und entzündungshemmend, fördert die Verdauung, wirkt Übelkeit entgegen und kann bei Erkältungen helfen.

Wie alle wirksamen Mittel ist auch Ingwer nicht für jeden geeignet. Kinder und Schwangere müssen ebenso verzichten wie Personen mit bestimmten Vorerkrankungen. Insgesamt kann Ingwer jedoch eine schonende, natürliche Alternative zu herkömmlichen Medikamenten bei bestimmten, häufig auftretenden Beschwerden darstellen.

Quellenverzeichnis
[1] Bartels EM et al., „Efficacy and safety of ginger in osteoarthritis patients: a meta-analysis of randomized placebo-controlled trials.“ Osteoarthritis Cartilage. 2015 Jan;23(1):13-21.
[2] Lien HC et al., „Effects of ginger on motion sickness and gastric slow-wave dysrhythmias induced by circular vection.“ Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol. 2003 Mar;284(3):G481-9.
[3] Julie L. Ryan et al., „Ginger (Zingiber officinale) reduces acute chemotherapy-induced nausea: A URCC CCOP study of 576 patients“ Support Care Cancer. 2012 Jul; 20(7): 1479–1489. Published online 2011 Aug 5.
[4] Ann M. Bode et al., „The Amazing and Mighty Ginger“ Herbal Medicine: Biomolecular and Clinical Aspects. 2nd edition.
[5] Ann M. Bode et al., „Ginger and Its Constituents: Role in Prevention and Treatment of Gastrointestinal Cancer“ Gastroenterol Res Pract. 2015; 2015: 142979.
[6] Sahdeo Prasad et al., „Ginger consumption enhances the thermic effect of food and promotes feelings of satiety without affecting metabolic and hormonal parameters in overweight men: a pilot study.“ Metabolism. 2012 Oct;61(10):1347-52.
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