Gesundheit

Fastenkur für die Gesundheit und Entschlackung

Fastenkur

Fasten scheint in aller Munde zu sein. In Internetforen und Journalen werden unzählige Methoden für das Fasten mit zahlreichen Gesundheitsversprechen vorgestellt. Schwer ist die Grenze zur Diät erkennbar. Ist Fasten für jeden geeignet? Hilft eine Fastenkur auch mir?

Fasten oder Diät?

Das Fasten hat eine uralte Tradition, die ursprünglich eine Zeit der religiös motivierten Enthaltsamkeit begleitete. Inzwischen hat das Fasten als Heilverfahren Einzug in die alternative Medizin gehalten.

Es beinhaltet den zeitweisen Verzicht auf Nahrung bei gleichzeitiger Besinnung auf Entspannung und Regeneration. Damit ist Fasten weitaus mehr als nur hungern1 und dient nicht allein der Gewichtsreduktion2.

Ziel ist vielmehr die Umstellung des Stoffwechsels. Dabei wird auch die Ausscheidung von Giftstoffen angekurbelt. Auf diese Weise wird der Körper entlastet3.

Im Vordergrund einer Diät dagegen steht entweder das Abnehmen durch ein sogenannte Reduktionsdiät oder die Auswahl bestimmter Nahrungsmittel in Form eines individuellen Diätplans zur Krankheitsbehandlung. In Verruf geraten sind die Reduktionsdiäten, weil sie meist als Crash-Diät durchgeführt, gesundheitliche Risiken bergen und nicht selten mit Jo-Jo-Effekten enden.

Was passiert beim Fasten im Körper?

Der menschliche Körper hat die Fähigkeit, seinen Organismus entsprechend der Nahrungszufuhr anzupassen. Das bedeutet im Falle eines Nahrungsverzichts, dass der Stoffwechsel umgestellt wird.

Auf diese Weise wird dafür gesorgt, dass die Vitalfunktionen erhalten bleiben. Prinzip der Anpassungsmechanismen ist die Mobilisierung der Speicher, so dass ausreichend Energie vorhanden und die Regeneration der Zellen gewährleistet ist. Diese Umstellung durchläuft verschiedene Phasen.

In der ersten Phase wird Glykogen, als Kohlenhydrat-Speicherform, dann Fette und deren Zwischenprodukte wie Ketonkörper sowie Eiweiße aus den eigenen Reserven zur Energiegewinnung mobilisiert4. Zum Schutz der Vorräte wird der Stoffwechsel der Proteine heruntergefahren, also auf Energiesparmodus gesetzt.

Einige Stoffwechselwege werden vorrangig in die Nieren verlagert, wodurch sich deren Ausscheidungsfunktion verändert. Die Entgiftung, auch Entschlackung genannt, ist auf diese Weise effektiver. Der Körper verliert nun vermehrt unerwünschte Stoffwechselendprodukte und schädliche Stoffe.

Wie läuft eine richtige Fastenkur ab?

Grundsätzlich sollte nicht ad hoc mit dem Fasten begonnen werden und eine Fastenkur nicht abrupt enden.

Begonnen wird mit einer Entlastungsphase, in der zur Vorbereitung ausschließlich leichte Kost zu sich genommen wird. Je nach Fastenkonzept dauert diese Phase unterschiedlich lang und die Empfehlungen für die Vorbereitungen können variieren.

Am ersten Fastentag schließt sich eine Darmreinigung an, um die natürliche Bewegung der glatten Muskulatur in den Verdauungsorganen (Peristaltik) zu verringern. Nun folgt eine variable Anzahl von Tagen an, wo auf feste Nahrung verzichtet wird und die als Vollfastenzeit bezeichnet wird.

Einige Formen setzen an Stelle von Wasser und Tee auf leicht verdauliche Nahrungsmittel in dieser Zeit5.

Die letzte Etappe einer Fastenkur stellt die Aufbauphase am Ende des Fastens dar. Diese wichtige Zeit nutzt der Körper, um sich wieder an die Nahrungsaufnahme zu gewöhnen und seinen Stoffwechsel, einschließlich der Verdauung, umzustellen. Wichtig ist es, diese Phase, die früher als Fastenbrechen bezeichnet wurde, behutsam zu gestalten.

Heilfasten – Fastenmethoden

Eine Befragung der Krankenkassen offenbarte, dass jeder Zweite in Deutschland bereits bewusst gefastet hat6. Dabei ging es überwiegend nicht um eine strenge Fastenkur, sondern um den Verzicht auf Annehmlichkeiten wie Fernsehen, Handy oder Süßigkeiten.

Heilfasten als echte Fastenkur beinhaltet das Weglassen fester Nahrung über ein Zeitraum von fünf bis 35 Tagen. Im Vordergrund steht die Aktivierung der Selbstheilungskräfte und ein verbessertes Wohlbefinden, weniger die Gewichtsabnahme.

Heilfasten wird ärztlich betreut: Bewegungs-, Physio- und Psychotherapie sowie Ernährungsberatung können das Heilfasten ergänzen7.

Für die Durchführung einer Fastenkur gibt es verschiedene Varianten:

  • das Buchinger Fasten: Tee, verdünnte Säfte und Gemüsebrühen während der Vollfastenzeit, eingebettet in ein ganzheitliches Programm.
  • das intermittierende Fasten, auch Intervall-Fasten: Da es sich um einen Essrhythmus handelt, bei dem sich Nahrungsmittelaufnahme mit Phasen ohne Essenszufuhr innerhalb kurzer Zeit abwechseln, ist dies eine eher untypische Fasten-Form.
  • Mayr Kur: nach dem Begründer benanntes ganzheitliches Programm, auch als Semmel-Milch-Diät bezeichnet, weil morgens und mittags diese Brötchen (Kursemmel) gegessen werden.
  • Schrothkur: nach dem Begründer benannt, bei der sich Trink- mit Trockentagen abwechseln. Ein viel diskutiertes, zum Teil abgelehntes Konzept, das inzwischen zahlreiche Modifizierungen erfahren hat.

Heilfasten nach Buchinger

Der Internist Otto Buchinger (1878-1966) entwickelte ein Fastenkonzept, das die während der Fastenperiode üblichen Getränke erweiterte: Neben Wasser und Tee wurden nun auch Gemüsebrühe und Säfte gereicht. Die Bezeichnung Tee-Saft-Fasten bezieht sich auf diese Erweiterung.

Buchinger ließ sich davon leiten, dass nicht wenige Menschen bei dem strengen Fasten mit Wasser und Tee, gesundheitliche Probleme entwickelten. Außerdem erkannte er, dass durch das modifizierte Fasten die Entschlackung als wesentlicher Effekt gefördert wird. Dies wirkte sich gerade bei chronisch Kranken günstig aus.

Begonnen wird beim Buchinger Fasten mit einem bis drei Entlastungstagen und einer Darmreinigung mit Glaubersalz (Natriumsulfat) oder Bittersalz (Magnesiumsulfat). In der Fastenperiode gibt es zusätzlich etwas Honig und Zitrone.

Leberwickel, Sport- und Entspannungsübungen, Kneippsche Anwendungen und Trockenbürsten am Morgen komplettieren das ganzheitliche Programm.8

Wie funktioniert Intervall-Fasten?

Basierend auf der Lebensweise unserer Vorfahren, der Jäger und Sammler, werden Phasen unterschieden, in denen normal gegessen wird und solche, in denen nur Wasser und Tee getrunken wird. Diese Zeiträume können unterschiedlich ausgelegt werden.

Damit lassen sich variable, an die Bedürfnisse angepasste Pläne, auch für Berufstätige, erstellen. Ganze Tage als Fastentage, beispielsweise ein bis zwei pro Woche, sind ebenso möglich wie ein Rhythmus von 16:8, bei dem nach 16 Stunden Fasten acht Stunden gegessen wird. Dies lässt sich problemlos in den Alltag integrieren.

Ein anderes Modell erlaubt die Nahrungsaufnahme zwischen 8 und 20 Uhr, bevor nachts und am Folgetag nur Flüssiges zu sich genommen werden darf (36:12 Rhythmus).

Warum ist Fasten gesund?

Mit dem Fasten wird dem Körper Gelegenheit gegeben, den Stoffwechsel zu entlasten, zu entschlacken und einen Neustart für seine Arbeit zu setzen. Durch das Fasten werden Hormonsysteme beeinflusst, die für das Gefühl des Hungers und des Sattseins eine Rolle spielen. Mit andauernder Nahrungsaufnahme neigen sie dazu, zu übersteuern und nicht mehr zwischen den beiden Zuständen unterscheiden zu können.

Nach einer Fastenkur werden diese Regulationen wieder ins Gleichgewicht gebracht9. In einer Studie wurden die Effekte einer fünftägigen Fastenperiode mit begleitendem Gesundheitstraining analysiert. Untersuchungen zur Herzfunktion, zur körperlichen Fitness, Fettverteilung und des Blutdrucks zeigten deutliche Verbesserungen.

Eine gesteigerte Leistungsfähigkeit sorgte für eine stärkere Motivation bezüglich der Veränderung des Lebensstils10.

Fasten zur Vorbeugung

Anerkannt ist die Anwendung zur Vorbeugung von Herz-Kreislauferkrankungen und bei Erkrankungen des Kohlenhydratstoffwechsels (Diabetes vom Typ II), weil die Risikofaktoren günstig beeinflusst werden. Außerdem ist einer Fastenkur zur Prophylaxe altersbedingter Krankheiten wie Arthrose und bei familiärer Häufung bestimmter Erkrankungen geeignet.

Fasten als Therapieergänzung

Es gibt zahlreiche Erkrankungen, bei denen eine Fastenkur Verbesserungen des Krankheitszustandes bringen kann. Dazu gehören Fettleibigkeit, Typ 2 Diabetes 11, Fettleber, Gicht, Bluthochdruck, Herz- und Gefäßerkrankungen, Arteriosklerose, rheumatische Erkrankungen12,13, Arthrosen, bestimmte Haut- und Schleimhauterkrankungen14, geschwächte Immunabwehr sowie in der Entwöhnungsphase bei Alkohol-, Medikamenten und Nikotinmissbrauch.

Wird Fasten begleitend zu einer bestehenden Therapie oder bei gesundheitlichen Einschränkungen erwogen, sind eine fachkundige Anleitung und eine ärztliche Voruntersuchung unentbehrlich.

Was sollte beachtet werden?

Sollten Sie sich mit dem Gedanken an eine Fastenkur tragen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Er kann unterstützende Maßnahmen empfehlen, wird in einer Voruntersuchung klären, welche Variante infrage kommt und ob gesundheitliche Probleme dagegen sprechen.

Liegen krankhaft bedingte Mangelzustände vor wie nach einer Operation, bei HIV Infektionen oder Anorexia nervosa darf keine Fastenkur durchgeführt werden. Schwangere und Stillende sind ebenfalls ausgeschlossen.

Bei Erschöpfungszuständen und bestimmten Medikamenten, die die Regulationen zur Anpassung während des Fastens beeinflussen, wird auch von Fastenkuren abgeraten. Für einige Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium können die Möglichkeiten zur Stoffwechselumstellung eingeschränkt sein, so dass das Risiko der Verschlechterung durch eine Fastenkur zu groß ist.

Fazit

Hat die Idee einer Fastenkur auch Sie erfasst, sollten Sie sich fragen, was Sie erreichen wollen und den Nahrungsverzicht in ein ganzheitliches Programm einbauen.

Fasten ist eine Erfahrung, die helfen kann, das körperlich Gelichgewicht wieder herzustellen, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden zu steigern sowie den Startpunkt für eine Umstellung bestimmter Ernährungsgewohnheiten und des Lebensstils zu setzen.

In einer ärztlichen Untersuchung erfahren Sie, ob Fasten für Ihre Gesundheit empfehlenswert ist. Lassen Sie sich von einem Arzt bei der Wahl einer geeigneten Fastenmethode und der Erstellung eines individuellen Fastenplans unterstützen.

Quellenverzeichnis
[1] Buchinger M.: Heilfasten ist nicht Hungern, Trias-Thieme, 2003
[2] http://aerztegesellschaft-heilfasten.de/informationsdienst/fachbeitraege-fastentherapie/fasten-ist-mehr-als-nichts-essen/
[3] http://www.gesundheitswirtschaft.info/content/view/2936/78/
[4] https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2F978-3-540-88810-9_11.pdf
[5] http://www.gesund-heilfasten.de/Varianten_des_Heilfasten.html
[6] http://www.netdoktor.de/ernaehrung/heilfasten/
[7] Buchinger O sen.: Das Heilfasten. 24. Aufl. Stuttgart: Hippokrates; 2004.
[8] http://www.netdoktor.de/ernaehrung/heilfasten/buchinger-fasten/
[9] A Michalsen et al.: Fasting Therapy for Treating and Preventing Disease, Forsch Komplementmed 20 (6), 444-453. 2013 Dec 16.
[10] K. Hottenrott: Präventionsstudie: Evaluation des Gesundheitsfastens nach dem Konzept der Deutschen Fastenakademie, Zeitschrift für Komplementärmedizin 2016; 2: 63–68.
[11] Wirth A, Hauner H (Hrsg.): Das metabolische Syndrom. Munchen:Urban & Vogel; 2007
[12] Bircher-Benner MO: Ordnungsgesetze des Lebens. Bad Homburg:Bircher-Benner Verlag; 1992.
[13] Lutzner H: Rheuma und Ernahrung. Bundesgesundheitsblatt 1991; 3:122–125.
[14] Lutzner H: Aktive Diatetik. Stuttgart: Hippokrates; 1993

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