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Erste Anzeichen einer Demenz

Demenz Anzeichen

Demenz hat viele Gesichter. Hauptsächlich wird mit dieser Erkrankung Gedächtnisverlust assoziiert und sie wird mit der Krankheit Alzheimer gleichgesetzt, weil das die häufigste Form ist.

Aber ist Vergesslichkeit ein sicheres Demenz Anzeichen? Und hat nicht nahezu Jeder einmal Phasen erlebt, in denen häufiger als gewöhnlich Dinge verloren gingen oder vergessen wurden? Wann ist man sicher, dass es Demenz ist?

Das Gedächtnis lässt nach

Lange zurückliegende Ereignisse sind bei älteren Menschen bis ins hohe Alter präsent. Dieses Langzeitgedächtnis ist auch bei einer beginnenden Demenz noch abrufbar. Deutliche Schwierigkeiten treten jedoch auf, wenn neue Informationen hinzukommen.

Die Erinnerungen an den Inhalt des letzten Gesprächs, die Fernsehsendungen vom Vorabend oder an den gerade gelesenen Zeitungsartikel sind lückenhaft. Wiederholt werden Fragen zum gleichen Sachverhalt gestellt. Erzählungen geraten wegen Wortfindungsstörungen ins Stocken. Sätze werden nicht beendet, weil der Anfang verloren wurde.

Im Tagesablauf kommt es zu Verwechslungen der Wochentage, der Tageszeiten oder des Ortes, insbesondere, wenn man außerhalb der vertrauten Umgebung unterwegs ist. Diese Veränderungen weisen auf einen Abbau bezüglich der geistigen Leistungsfähigkeit hin.

Aber spricht das bereits für eine Demenz? Während bei der im Alter normalen Vergesslichkeit solche Aussetzer nur hin und wieder vorkommen, trifft man bei beginnender Demenz regelmäßig und im Laufe der Zeit immer öfter auf solche Schwierigkeiten.

Verhaltensänderungen, damit Defizite unerkannt bleiben

Besonders zu Beginn der Erkrankung spüren die Betroffenen die Veränderungen. Sie nehmen ihre Einschränkungen wahr und versuchen, das Bild des Funktionierens mit allerlei Hilfsmitteln aufrecht zu erhalten und diese Veränderungen zu verheimlichen.

Die Zahl der Notizzettel und anderer Erinnerungshilfen nehmen zu. Nicht selten führt das zu neuen Verhaltensmustern und ungewohnten Reaktionen. Vergessene Termine oder Vereinbarungen werden abgestritten oder Ausreden erfunden.

Bei anspruchsvollen Tätigkeiten ziehen sich diese Menschen zurück, Neuem versuchen sie aus dem Weg zu gehen. An Gesprächen nehmen sie immer weniger Teil, aus Angst, dass die Wortfindungsstörungen entdeckt werden. So lassen sich die Defizite zunächst kaschieren.

Nicht selten reagieren die Betroffenen schroff, wenn die Fehlleistungen offensichtlich werden. Sie ziehen sich zunehmend zurück und werden immer inaktiver. Ob dies zum Selbstschutz passiert oder auf Grund einer krankheitsbedingten Antriebsminderung lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Alltägliche Aufgaben werden zur Herausforderung

Zunächst scheinen die Routinen im Alltag wie Einkaufen oder Nutzen des öffentlichen Nahverkehrs wenig beeinträchtigt zu sein, wenngleich sie größere Aufmerksamkeit erfordern. Kleine Fehler, die früher nie passierten, und das gehäufte Verlegen von Dingen werden als Schusseligkeit oder Zerstreutheit ausgelegt.

Anspruchsvollere Aufgaben benötigen jedoch deutlich längere Zeit und werden immer seltener fehlerfrei bewältigt. Die Organisation der Geburtstagsfeier läuft beispielsweise nicht reibungslos, die Koordinierung mehrerer Termine und die Abarbeitung längerer Auftragslisten bereiten immer mehr Probleme.

Die Steuererklärung, jahrelang selbständig ausgefüllt, bleibt liegen. Tätigkeiten am Computer, wie Online-Banking, gehen einfach nicht mehr von der Hand.

Diese nachlassenden Fähigkeiten zur Bewältigung von Aufgaben im normalen Alltag werden nicht in jedem Fall als erste Demenz Anzeichen gewertet. Die Betroffenen wohnen vielfach im eigenen Haushalt, so dass die deutlich verlängerten Zeiten für die Alltagsaufgaben unbemerkt bleiben.

Kommen körperliche Gebrechen hinzu oder ein Aufenthalt im Heim mit pflegerischer Unterstützung, fallen Demenz Anzeichen zu Beginn weniger auf.

Nicht immer heißt die Diagnose Demenz

Angesichts der etwa 1,6 Millionen Demenz-Erkrankungen in Deutschland und der Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit mit dem Erreichen des 65. Lebensjahres signifikant steigt, wächst die Sorge mit dem Auftreten möglicher Demenz Anzeichen. Frauen sind häufiger als Männer betroffen und von den Über-80-Jährigen erkranken etwa zwei Drittel an Demenz1.

Eine Form der Demenz stellt die Krankheit Alzheimer dar, an der etwa 60 Prozent der Demenzkranken leiden. Nicht nur Angehörige, auch die Betroffenen spüren, wenn die Demenz immer deutlicher zutage tritt.

Der ehemalige US-amerikanische Präsident Ronald Reagen verabschiedete sich nach der Diagnose seiner Alzheimer Erkrankung aus der Öffentlichkeit mit den Worten

Ich beginne nun die Reise, die mich zum Sonnenuntergang meines Lebens führt.Ronald Regan

Wichtig ist es, die Diagnose früh zu stellen und sie abzusichern. Normale Altersvergesslichkeit, Depressionen oder Durchblutungsstörungen im Gehirn zeigen zum Teil ähnliche Symptome, einige Medikamente vergleichbare Nebenwirkungen. Spezialisten können abklären, ob es sich um Vergesslichkeit oder eine Form der Demenz handelt .

Tests können helfen, der Wahrheit näher zu kommen

Vielen fällt es schwer, sich mit solch einer folgenschweren Verdachtsdiagnose an einen Arzt zu wenden. Es gibt verschieden Test, die helfen können, die Vermutung zu bestärken oder zu widerlegen.

Schnelltest

Ein Schnelltest2 formuliert sechs Fragen zum Verhalten und zu Gefühlen im Bekannten- und Freundeskreis.

  • Existiert das Gefühl, heimlich beobachtet oder verfolgt zu werden?
  • Gibt es Phasen der Mutlosigkeit und Niedergeschlagenheit?
  • Machen zunehmende Unruhe und Rastlosigkeit zu schaffen?
  • Werden Dinge heute in der Öffentlichkeit getan, die früher nicht passiert wären?
  • Gibt es einen Rückzug aus dem Freundeskreis?
  • Ist die Reaktion auf bestimmte Situationen inzwischen heftiger, unbeherrschter und zorniger als früher?

Wenn mehr als zwei der Fragen bejaht werden, empfiehlt es sich, weitere Untersuchungen zur Abklärung einer Demenz durchführen zu lassen.

Uhrentest

In Arztpraxen wird der Uhrentest zur Beurteilung hinzugezogen. Dieser kann bereits zu Hause durchgeführt werden.

Dabei soll die Person in einen vorgezeichneten Kreis die fehlenden Zahlen einzeichnen, damit daraus das Zifferblatt einer Uhr wird. Zusätzliche Aufgabe ist es, die Zeiger gemäß einer vorgegeben Uhrzeit, beispielsweise 20 nach 11 einzuzeichnen.

Neben dem Ergebnis werden Notizen zur Ausführung wie Reihenfolge des Herangehens oder Art von Korrekturen ergänzt. Das Resultat bietet dem Arzt wichtige Hinweise bei der Beurteilung der Gedächtnisfunktion. Dieser Test ist einfach und kurz. Er kann deshalb spontan und ohne besonderen Aufwand durchgeführt werden.

Mini-Mental-Status-Test

Andere Tests wie der Mini-Mental-Status-Test (MMST) dauern etwas länger und vermitteln stärker eine Art Prüfungssituation3, was die Aussage der Ergebnisse beeinträchtigen kann. Er gibt Auskunft über Fähigkeiten wie Lernen, Erinnern und Denken. Dabei werden in einem Fragebogen fünf Komplexe in Form von Aufgaben abgearbeitet.

  1. Orientierung (Zeit und Ort)
  2. Merkfähigkeit
  3. Aufmerksamkeit
  4. Erinnerungsvermögen
  5. Sprache

Im Anschluss werden die erzielten Punkteaddiert und bewertet.

Früherkennungsbögen

Schließlich gibt es Früherkennungsbögen, bei denen die angekreuzten Antwortmöglichkeiten (ja/nein) zur Beurteilung herangezogen werden4. Jeweils drei Fragen zum Denken, zur Stimmung und zum Verhalten müssen dazu beantwortet werden.

Überwiegt Ja als Antwort, werden Alltagsprobleme vermutet, die abgeklärt werden sollten. Diese Möglichkeiten eignen sich, um die eigene Situation und die naher Angehöriger einzuschätzen, können jedoch nicht das Urteil eines Spezialisten ersetzen.

Der Weg zum Arzt

Der Besuch eines Arztes bringt Aufschluss. Sträubt sich der Angehörige, kann ein Trick helfen: Überreden Sie zu einer Routineuntersuchung und sprechen Sie vorab mit dem Arzt über ihre Vermutung.

Bevor die Furcht vor einer Demenz den Alltag oder das Zusammenleben bestimmt, empfiehlt es sich, eine Praxis oder eine Gedächtnis-Sprechstunde, auch Gedächtnisambulanzen oder Memory-Kliniken genannt, aufzusuchen. Hier werden die Gehirnleistungen ermittelt und mögliche Störungen diagnostiziert. Im Internet existieren Listen mit den Adressen für solche Ambulanzen in verschiedenen Regionen: https://www.deutsche-alzheimer.de/unser-service/gedaechtnissprechstunden.html.

Je früher die Diagnose gestellt wird, desto größer ist die Chance, das Fortschreiten der Erkrankung hinauszuzögern und damit länger selbstbestimmt leben zu können. Das bedeutet eine größere Lebensqualität für Alle: den Erkrankten und seine Angehörigen.

Wissenschaftliche Studien zu frühen Warnsignalen

Demenz ist keine plötzlich auftretende Erkrankung, sondern entwickelt sich schleichend. Eine Reihe wissenschaftlicher Studien ging der Frage nach, ob es Demenz Anzeichen gibt, die die Erkrankung ankündigen, bevor die typischen Gedächtnislücken, Aufmerksamkeitsdefizite oder Persönlichkeitsveränderungen erkennbar werden.

Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt konnten solche Symptome nicht identifiziert werden. Jedoch wurden Demenz Anzeichen gefunden, die für ein größeres Risiko zu erkranken sprechen.

In einer Veröffentlichung wird der Zusammenhang zwischen dem Kau-Vermögen, Zahnverlust und der Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten beschrieben5. Andere Studien konnten die Resultate nicht bestätigen. Die Wissenschaftler führen dies auf die weitaus komplexeren Assoziationen zurück, von denen die Kaufunktion nur eine ist. Bildung und Ernährungsstatus könnten eine größere Rolle spielen.

In einer amerikanischen Publikation wird die Gehgeschwindigkeit als Risiko für eine sich anbahnende Demenz bewertet6. Mehr als 2400 Menschen im Alter von 62 Jahren und älter wurden in der Studie beobachtet. Elf Jahre später zeigte sich, dass die Gefahr der Demenz größer bei langsamer Gehgeschwindigkeit war.

In einer weiteren Studie wird der Einfluss des Schlaf-Wach-Rhythmus beschrieben7. Frühes Aufstehen und Aktivität am Morgen verbesserten die Gehirnleistungen. Übergewicht und Depressionen hingegen sind schädlich8,9.

Es ist nicht sicher, ob diese Zusammenhänge für eine frühe Diagnose geeignet sind. Deren Kenntnis und Berücksichtigung könnte aber dazu beitragen, das Demenz-Risiko zu verringern und den Verlauf zu verzögern.

Fazit

Bei Demenz handelt es sich um kein einheitliches Krankheitsbild. Besonders schwierig ist es, normale Alterserscheinungen von den krankhaften Veränderungen zu unterscheiden.

Wenn das Kurzzeitgedächtnis schlechter wird, Orientierung- und Konzentrationsprobleme beziehungsweise Persönlichkeitsänderung hinzukommen, könnten dies Demenz Anzeichen sein.

Gewissheit bringt eine ärztliche Untersuchung. Auch wenn gegenwärtig noch keine wirksame Therapie existiert, kann bei früher Behandlung der Krankheitsverlauf verzögert und die Lebensqualität verbessert werden.

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