Ernährung

Ayurvedische Ernährung – Steigerung von Gesundheit und Lebensfreude

Ayurveda Ernährung

Ayurveda ist eine traditionelle Gesundheitslehre und Heilkunst, die ursprünglich nur in Indien zur Anwendung kam. Inzwischen hat sie ihren weltweiten Siegeszug vor allem im Wellnessbereich angetreten.

Der Begriff stammt aus dem Sanskrit und besteht aus den Wörtern Wissen, Weisheit (veda) und Leben (ayus). Wörtlich übersetzt bedeutet Ayurveda: das Wissen über das Leben beziehungsweise die Lebensweisheit.

Neben der Ernährungslehre umfasst das ganzheitliche System des Ayurveda auch Körperübungen (Yoga), Massagen und Reinigungskuren (Panchakarma). Die ältesten medizinischen Aufzeichnungen, aus denen sich das Ernährungskonzept ableitet, sind mehr als 3.500 Jahre alt.

Der vielseitige Speiseplan zeichnet sich durch die individuelle Zusammenstellung der Nahrungsmittel und die gut verträgliche Zubereitungsart aus. Ayurvedische Mahlzeiten bieten nicht nur ein einzigartiges Geschmackserlebnis, sie können auch für körperliches Wohlbefinden, emotionale Ausgeglichenheit und geistige Klarheit sorgen.

Grundlagen der ayurvedischen Ernährung

Die Verdauung der aufgenommenen Speisen spielt eine zentrale Rolle in der ayurvedischen Ernährung. Die kostbarsten und gesündesten Lebensmittel bleiben wirkungslos, wenn unser Körper sie nicht richtig verwerten kann. Das ist der Grund, warum das Essen fast immer gekocht wird.

Die ayurvedische Ernährungslehre empfiehlt einige grundsätzliche Verhaltensweisen, die für alle Menschen gleichermaßen gelten. Dazu gehören unter anderem folgende Richtlinien:

  • Die Nahrungsaufnahme erfolgt in einer entspannten Atmosphäre ohne Hektik, Fernsehen oder angeregte Unterhaltungen.
  • Gegessen wird nur dann, wenn sich ein Hungergefühl einstellt.
  • Nach dem Essen bleibt man noch einige Minuten ruhig sitzen.
  • Die nächste Mahlzeit wird erst eingenommen, wenn die vorherige vollständig verdaut ist (nach etwa drei bis vier Stunden).
  • Das Mittagessen stellt die Hauptmahlzeit des Tages dar. Frühstück und Abendessen sollten leicht verdaulich sein.
  • Nicht zu viel essen: Der Magen darf höchstens zu drei viertel gefüllt werden.
  • Alle Speisen sollten möglichst frisch zubereitet sein. Erneut aufgewärmtes Essen ist nicht empfehlenswert.
  • Die Mahlzeiten werden jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit eingenommen.
  • Zum Essen kann man Wasser, Tee oder Saft in kleinen Schlucken trinken.
  • Zwischenmahlzeiten möglichst vermeiden.
  • Abends keine schweren Nahrungsmittel wie Hartkäse, Fisch, Wurstwaren oder Fleisch verzehren.

Das Herzstück der ayurvedischen Ernährungslehre sind die drei Doshas oder Konstitutionstypen Kapha (Prinzip von Aufbau und Struktur), Pitta (Umwandlungsprinzip) und Vata (Bewegungsprinzip).

Aus der Sicht des Ayurveda besteht jedes der Doshas aus unterschiedlichen Anteilen der fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther1. Das Prinzip der Ernährung beruht auf einem Ausgleich unserer Dosha-Anteile.

Je nachdem, welche Konstitution überwiegt, wird ein Mensch als Kapha-, Pitta- oder Vata-Typ bezeichnet. Das Ernährungskonzept berücksichtigt eine typgerechte Auswahl und Zubereitung der Speisen.

Da sich die Verdauungssituation der verschiedenen Konstitutionstypen deutlich unterscheidet, empfiehlt die ayurvedische Ernährung für jedes Dosha spezielle Nahrungsmittelgruppen. Dadurch lassen sich bereits vorhandene Beschwerden lindern und mögliche Folgekrankheiten vermeiden.

Allein durch gute Nahrung gedeiht der Mensch; schlechte Ernährung hingegen ruft Krankheiten hervor.Charaka Samhita

Die Ernährung der einzelnen Dosha-Typen

Bei Kapha-Typen verlaufen Verdauung und Stoffwechsel eher träge, sodass sie bei mangelnder Bewegung zu Übergewicht neigen. Eine erhöhte Schleimbildung im Körper weist auf ein Übermaß an Kapha hin.

Am besten lässt sich ein vorherrschendes Kapha-Dosha durch eine leichte, warme Ernährung mit Gewürzen und viel Gemüse wieder in das Gleichgewicht bringen. Die meisten Getreidesorten, Fleisch, Milchprodukte, Nüsse oder Öle sollten möglichst vermieden werden2.

Vor allem die Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt reagieren empfindlich auf ein Ungleichgewicht von Pitta. Als Folge kommt es häufig zu Sodbrennen, Durchfall oder Magengeschwüren. Pitta-Typen sollten deshalb vorsichtig sein mit dem Verzehr von sauren, scharfen und öligen Lebensmitteln.

Die meisten Obst- und Gemüsesorten sowie kühlende Gewürze sind für sie geeignet. Milchprodukte und Getreide vertragen Pitta-Typen in der Regel ebenfalls gut. Auf Rind- und Schweinefleisch sowie Schalentiere sollten sie am besten vollkommen verzichten3.

Eines der wichtigsten Merkmale von Vata-Typen ist ihre Unruhe im Geist sowie im gesamten Verdauungsapparat4. Wenn ein Vata-Typ nicht regelmäßig genügend Nahrung zu sich nimmt, verliert er rasch an Gewicht und neigt zu Verstopfungen und Appetitlosigkeit.

Um einen Überschuss an Vata abzubauen, ist vor allem Ruhe wichtig. Betroffene sollten überwiegend warme Speisen und Getränke zu sich nehmen. Empfehlenswert sind die Geschmacksrichtungen süß, sauer und salzig. Auf scharf gewürztes Essen, weißen Zucker und Süßigkeiten verzichten Vata-Typen am besten ganz.

Für wen ist eine ayurvedische Ernährungsweise sinnvoll?

Auf den ersten Blick erscheint die Übertragung einer Ernährungslehre, die aus einem vollkommen anderen Kulturkreis stammt, auf unsere westlich geprägte Lebensweise nicht unbedingt sinnvoll.

Wer genauer hinschaut, stellt allerdings erstaunliche Übereinstimmungen zwischen den Doshas und den sogenannten Körperbautypen nach William Sheldon beziehungsweise Ernst Kretschmer5 fest: Vata entspricht in etwa dem ektomorphen (Leptomsomen), Pitta dem mesomorphen (Athletiker) und Kapha dem endomorphen Typen (Pykniker).

Die Modelle der Körperbautypen kommen heutzutage vor allem im Fitnessbereich sowie im Kraftsport zum Einsatz. Zur Unterstützung des Trainings ist eine ayurvedische Ernährung nach den Doshas sinnvoll.

Aufgrund des ganzheitlichen Ansatzes profitiert nicht nur der Körper, sondern auch die Seele (emotionale Situation) und der Geist. Darüber hinaus lohnt sich eine ayurvedische Ernährungsweise vor allem für Menschen, die an Übergewicht leiden oder sich körperlich und psychisch unwohl fühlen.

Durch die Einschränkung oder den Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittelgruppen bei einer entsprechenden Dosha-Konstitution werden die Verdauung und die Verwertung der Speisen begünstigt. Wer eine typgerechte Ernährung berücksichtigt, vermeidet das Auftreten unerwünschter Gärprozesse, Verstopfungen und Blähungen im Verdauungstrakt.

Einen weiteren wichtigen Aspekt stellt die richtige Zusammenstellung der Mahlzeiten dar. Vor allem tierische Eiweiße (Fisch, Fleisch, Milch, Eier) sollte man nicht miteinander kombinieren. Aus ayurvedischer Sicht gilt Milch als eigenständiges Nahrungsmittel und darf nicht zusammen mit frischem Obst verzehrt werden. Müsliliebhaber sollten einmal über diese uralte Erkenntnis nachdenken.

Fazit

Die ayurvedische Ernährung verbindet grundsätzliche Regeln der Nahrungsaufnahme mit den feinstofflichen Auswirkungen der Mahlzeit auf Körper, Geist und Seele des Menschen. Das Ziel besteht darin, durch eine typgerechte Zusammenstellung der Speisen energetische Ungleichgewichte in den Doshas auszugleichen.

Als Folge können sich körperliche und psychische Beschwerden verringern. Da die ayurvedische Ernährung starke Auswirkungen auf den Stoffwechsel und die Verdauung hat, eignet sich das Konzept besonders zur Gewichtsabnahme sowie im Sport- und Fitnessbereich.

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